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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

Er hatte am Morgen die Unzufriedenheit der Sachsen wegen derimmer höher steigenden Not im Lager beschwichtigen müssen undwollte die dann von ihm wieder hergestellte gute Stimmung zueiner Waffentat benutzen. Dies war der Anlaß für sein Vor-gehen gewesen. Als er Freiwillige aufforderte, trat jubelnd seinganzes Regiment aus den Reihen. Es hätte sich wohl etwas aus-führen lassen. Aber als er eben die Lage auf dem Landgrafen-berge übersehen, seine Anordnungen für den Angriff erteilen wollte,kehrte sein Quartiermeister Massenbach von Weimar zurück undbrachte die uns schon bekannten Befehle des Herzogs mit. DasVerbot, sich mit dem Feinde in einen Kampf einzulassen, war einbestimmtes, und leider fügte sich ihm der Fürst. Er uahm vonder Wiedereroberung des Landgrafenberges Abstand, zog unwilligmit seinen Truppen weiter gegen Dornburg hin und übertrug demnächstältesten anwesenden General v. Holtzendorff die ihm selbstaufgegebene Sicherung der Saaleübergänge von Camburg undDornburg. In ganz ungenügender Weise sorgte Holtzendorff hier-für und verteilte seine Truppen dann in weitläufige Unterkunft,als geschähe es am Ende eines Friedensmanövers. Hohenlohekehrte ins Lager zurück.

Das Schicksal des Heeres war damit entschieden. Denn derKaiser, der auf Lannes' Meldung sofort von Gera herbeigeeilt war,hatte nun freie Hand, seine Truppen die Hochflächen ersteigen zulassen und die Entfaltung feiner großen Überlegenheit vorzubereiten.Hinter dem Korps Lannes betrat die Garde den Landgrafenberg.Ein schmaler Weg wurde schleunigst zum Heraufführen von Ge-schützen erweitert. Mit einer Fackel in der Hand leitete Napoleon selbst die Arbeit und verblieb die Nacht über auf der Höhe ineinem Karree seiner Garde. Er hatte ein großes preußischesLager in der Richtung auf Weimar erkannt. Freilich war dasnicht die ganze preußische Armee, die er dort vermutete. Sehrwohl aber konnten die vorliegenden Höhenzüge ihm andere in denTiefen aufgeschlagene Lager verbergen. Er blieb also bei seinerVorstellung; die Beute war vor ihm, und er zögerte nicht, sichauf dieselbe zu stürzen. Mit der Dunkelheit erlosch auch dasSchützenfeuer, das tagüber am Landgrafenberge fortgedauert hatte,und eine lange, ruhige Oktobernacht begann die Stille vordem Sturm.