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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

Marsch aber begleiteten heftige Kämpfe, wie die Franzosen sie nichtmehr erwartet hatten

Die Nacht vom ZI. Oktober zum 1. November brachte Blücherin der Gegend von Waren am Nordende des Müritzsees zu. Erwollte sich seinen Feinden nicht entziehen. Im Gegenteil dachteer, sie zu verleiten, daß sie sich an seine Fersen hefteten und nachWesten hinter ihm her marschierten. Das entsprach dem Plane,den Krieg wieder bis in die Gebiete jenseits der Elbe zu verlegenund soviel französische Truppen als möglich von der Oder ab-zulenken. Aber es war ein gefährliches Spiel, das damit begonnenwurde. Es galt, den Feind dauernd an der Klinge zu behalten,also ihn herankommen zu lassen, zu fechten und doch im rechtenAugenblicke den allgemeinen Rückzug wieder fortzusetzen. Das er-fordert große Geschicklichkeit der Führung, große Festigkeit, einenguten Zustand und unerschütterliches Selbstvertrauen bei denTruppen. Hier fiel die Aufgabe einer zum Teil durch schwereNiederlagen und durch einen langen Rückzug schon erschüttertenHeeresabteilung zu, die wenig geeignet für eine so aufreibendeTätigkeit war. Zudem war das Land arm an größeren Ort-schaften. Um Unterkunft zu finden, die sie dringend nötig hatten,mußten die Truppen sich für jede Nacht wieder weithin zerstreuen.Dafür hatten sie am nächsten Morgen einen um so längeren Wegzum Sammelplatze zurückzulegen. Das vermehrte die Anstrengungbedeutend.

Am 31. Oktober war Bernadotte bis nahe an Waren heran-gekommen. Am 1. November vereinigten sich zwei von Südenkommende Reiterregimenter unter Savary mit ihm. Das war einesehr willkommene Verstärkung, und die Verfolgung wurde lebhafter.In Waren gelang es, einen schwachen preußischen Nachtrab zuüberraschen und gefangen zu nehmen. Dann ging es im Jagdeiferschnell durch das Städtchen hindurch hinter der preußischen Arriere-garde her. Diese aber befehligte General v. Pletz, eine prächtigeSoldatennatur aus alter Zeit, und unter ihm Jorck, der schon beiAltenzaun gezeigt, daß er die Sieger nicht fürchte. So mußte eszum harten Strauße kommen. Pletz- und Köhler-Husaren machtenKehrt, warfen sich den Franzosen entgegen, ritten sie über denHaufen und jagten sie wieder nach Waren hinein, ihnen zahlreicheGefangene abnehmend. Großer Jubel herrschte ob dieses Erfolges,der gezeigt hatte, daß die Franzosen nicht unbesiegbar seien. Auch