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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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82 II- Der Krieg von 1306 und 1807

können ein Umstand, der die Annahme wahrscheinlich machte.Daß dieser Marschall nach Norden zn Bernadotte herangerückt sei,wußte man nicht. Eine kleine Abteilung, die von Hameln kam,verließ das Städtchen Wittenburg zwischen Schwerin und Boizen-burg, um sich der südlichen Kolonne Blüchers anzuschließen, unddas irrtümliche Gerücht verbreitete sich, sie sei bereits von an-kommenden Franzosen vertrieben worden.

Sodann waren Blüchersche Truppen östlich des SchwerinerSees nach Norden abgedrängt worden; sie wären aufgegeben worden,wenn die Hauptmacht sich südwestlich wendete.

Die Wahl fiel daher auf den Marsch nordwestlich nach Gade-busch. Dort dachte Blücher zunächst an einen Kampf, dem auchdas Gelände günstig erschien. Aber 45000 Mann waren bereitsauf dem fortgesetzten Rückzüge verloren gegangen, die übrigen aufshöchste erschöpft. Im preußischen Hauptquartier wähnte man,zudem sogar bei Gadebusch schon auf drei Seiten vom Feinde um-stellt zu sein.

Das Entgegengesetzte war der Fall. Die Haltung der zurück-gehenden Preußen in den Nachhutgefechten hatte ihren Eindrucknicht verfehlt. Noch östlich der Stör war die verfolgende fran-zösische Reiterei, ähnlich wie bei Waren, kräftig zurückgeworfenworden. Murat berichtete an den Kaiser, daß Blücher über25 000 Mann verfüge, darunter S000 Reiter, und daß dieseTruppen in guter Verfassung wären. Er hielt es für nötig, erstüber alle Kräfte sicher zu verfügen, ehe er angriff, und versammeltesie sämtlich in der Gegend von Schwerin .

Allein drüben wurde man dessen nicht inne und beschloß denAbmarsch nach Lübeck . Dort hofften Blücher und die Seinen das-jenige zu finden, was ihnen jetzt am notwendigsten war einigeRuhe und Stärkung für einen letzten Entscheidungskampf.

Am 5. November wurde Lübeck ohne ernsthaften Zwischenfallvon dem größten Teile der Truppen erreicht. (S. Skizze 7.)Blücher war dorthin vorausgeeilt. Der Magistrat mußte ihmliefern, was er für seine Truppen zunächst bedürfte. GeneralEwald, der nahe hinter der Stadt die dänische Grenze besetzt hielt,erklärte, daß er keine Verletzung derselben durch die Kriegführendendulden werde. Dadurch wurde das von Blücher zu verteidigendeGebiet auf einen schmalen Raum am Traveflufse beiderseits Lübeck beschränkt. Die alten Wälle der Stadt und breite davor gelegene