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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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II. Der Krieg von 1806 und 1807

über den neuen Kurs gemacht, mit Schweden und Dänemark Ver-bindung angeknüpft, Haugwitz entlassen und der Reichsfreiherrvom Stein, zunächst freilich nur für kurze Zeit, zum Minister desAuswärtigen ernannt. In seiner Antwort an Kaiser Alexanderbeteuerte Friedrich Wilhelm seinen unerschütterlichen Entschluß, denDegen gegen den Feind der Unabhängigkeit Europas nicht eherniederzulegen, als bis die gemeinsamen Interessen es wünschenswerterscheinen ließen.

Auch die Armee sollte eine andere werden. Der König ent-warf in Person neue Grundsätze für ihre Fechtweise. Die künst-lichen strategischen Manöver, in denen bis dahin das Geheimnisdes Sieges gesucht worden war, erhielten eine bündige Absage.Die Einfachheit sollte in die Kriegführung zurückkehren. Dielebendige Kraft, die Streiterzahl wurde in ihr Recht eingesetzt.

Weit vorgeschobene Vorposten, von Kavallerie und Partei-gängern gebildet, sollten das Heer sichern. Dieses werde sich inselbständigen Kolonnen bewegen, denen eine ebenso selbständigeVorhut voraufging, damit die Entwickelung zum Kampfe schnellund sicher vonstatten gehen konnte. Den schnellsten Aufmarsch be-zeichnete der König als den besten. Das war der entschiedeneBruch mit der alten Lineartaktik, die sich die erstaunlichste Mühegab, ihre Phalanx von 20 oder 30 Bataillonen vor dem Stoßeerst in eine genau bestimmte Front kunstvoll hineinzuführen. Fürden Angriff empfahl der König vor allem die Entschlossenheit,verwarf jedes Zaudern und Zögern, das auf den Schlachtfeldernso großes Unheil angerichtet habe und erklärte für den kürzestenWeg zum Siege, dem Feinde rasch und kühn zu Leibe zu gehen.Dabei sollte, und dies war von äußerster Wichtigkeit, die eigeneTätigkeit und Selbständigkeit der Unterführer gehoben werden.Gerade daran hatte es ja überall gefehlt.Der kommandierendeGeneral kann nicht allgegenwärtig sein; er muß stets das Ganzeim Auge behalten."

Der bis dahin so sehr mißachteten Verteidigung redete derKönig das Wort und empfahl, gute Stellungen auszunutzen, umden Feind zurückzuweisen. Im Angriff auf Stellungen des Feindeswollte er frontales Vorgehen und kräftige Unifassung eines Flügelsvereinigt wissen.

So sind die wesentlichen Elemente der modernen Fechtweisehier schon angedeutet. Freilich bedürfte es noch der Zeit, bis sie