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II, Der Krieg von 1806 und 1807
Zusammenkunft der beiden Kaiser statt. Mittlerweile „stand derGroßneffe Friedrichs bei schlechtestem Wetter inmitten russischerOffiziere in seinen russischen Mantel gehüllt, zwei Stunden amUfer des Flusses und wartete auf die Rückkehr Alexanders, derihm über seine Eindrücke Bericht erstatten sollte." Das war dieFolge des unseligen Traumes, inmitten einer Welt, die in Waffenstarrte, in Ruhe und Frieden hinleben zu können. Nie wieder sollvergessen werden, daß nur der Starke im politischen Treiben derWelt auf Gerechtigkeit und Achtung zu zählen vermag. Wo bliebenin diesem Augenblicke die Freunde Preußens? Der AbgesandteÖsterreichs , der kurz nach der Schlacht von Friedland bei denVerbündeten eingetroffen war, hatte nur den Auftrag, zu verhüten,daß die kriegführenden Parteien sich ohne Österreich zu dessen Un-gunsten verständigten. Die Unzulänglichkeit der englischen Unter-stützuug ist schon beleuchtet worden. Die russischen Verstärkungen,die auf 40 000 Mann angegeben wurden, hätten das Gleichgewichtan der Memel nicht hergestellt und standen überdies noch viel zufern, um ins Gewicht zu fallen. Preußens Lage war tatsächlichtrostlos. Nur Scharnhorst dachte an einen Verzweiflungskampf.
Nach längeren Verhandlungen, welche fast die gesamte politischeLage Europas umspannten, kam am 7. Juli ein Offensiv- undDefensivbündnis zwischen Rußland und Frankreich zustande. Ruß-land trat der Kontinentalsperre gegen England bei und schlug sichgegen ungenügenden Entgelt damit selbst die empfindlichsten Wunden.Auch Preußens Schicksal war zwischen den beiden Kaisern imwesentlichen schon entschieden worden; nur Schlesien hatte AlexandersDazwischenkunft für die Krone seines bisherigen Freundes gerettet.Am 9. Juli folgte der Frieden mit Preußen, dem die einzigeFreiheit blieb, zu unterzeichnen, was Napoleon ihm vorschrieb. Esverlor die Hälfte seines Besitzes, nämlich die Gebiete links der Elbe und die polnischen Provinzen bis auf Westpreußen . Dieses bliebsogar nur verstümmelt, d. h. ohne Thorn und Danzig , bei demverkleinerten Staate. Von 5570 Quadratmeilen waren 2693abgetreten und von 9 743 000 Einwohnern 4305 000 preisgegebenworden. Der Staat war kaum noch, was er zu Friedrichs Zeituach der Erwerbung Schlesiens gewesen. Aus den abgetretenenGebieten westlich der Elbe, Kurhessen und Braunschweig wurde dasKönigreich Westfalen unter Jerüme geschaffen. Holland erhieltOstfriesland, Jever , die meisten westfälischen Lande Murat, der Groß-