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IV. Die Befreiungskriege
hatte freilich 380 Mann mit sechs Geschützen in Kuxhaven landenlassen, aber diese geringe Macht vermochte natürlich nichtsauszurichten. Eine preußisch-russische fliegende Kolonne unterTschernitschew und Dörnberg überschritt nach einem ersten, durchfranzösische Truppen aus Magdeburg verhinderten Versuche am29. März die Elbe unterhalb Havelberg . Sie umzingelte undstürmte am 2. April Lüneburg und nahm, von der Bevölkerung.unterstützt, die Besatzung in der Stärke von etwa 100 Offizierenund 2200 Mann gefangen. Neun Geschütze und mehrere Fahnenwurden erbeutet. Das war die erste bedeutende Waffentat derVerbündeten. Sie erregte im Lande lauten Jubel. Aber sie bliebleider ohne dauernden Erfolg, da die Kräfte fehlten, um weitervorzudringen. Auf die Nachricht vom Anrücken stärkerer fran-zösischer Streitkräfte gingen Dörnberg und Tschernitschew schon am3. bei Boitzenburg wieder über die Elbe zurück und blieben nunvorläufig untätig am anderen Ufer stehen. Rücksichtslos schrittendie fremden Unterdrücker mit Exekutionen, Gefängnis und Galeeren-strafen, sowie mit der Auferlegung von Kontributionen gegendie Häupter des Aufstandes ein. Gewaltsam wurde die Ruhewiederhergestellt und der Keim vernichtet, aus dem ein kräftigerBaum Hütte ersprießen können. Erst als die Parteigänger derVerbündeten mit Wiedervergeltung an den französischen Gefangenendrohten, begann man drüben größere Milde walten zu lassen.
Davout war mittlerweile an der unteren Elbe erschienen. Erhatte bis dahin bei Dresden auf dem rechten französischen Flügelgestanden und sein Abmarsch von dort einen besonderen Grundgehabt. Der Kaiser war mit dem Zurückweichen des VizekönigsEugen in der Richtung auf Leipzig sehr unzufrieden gewesen, dennes stimmte durchaus nicht mit seinen Plänen für die Wiederauf-nahme des Feldzuges überein. Diese liefen auf eine neuegroßartige Offensive hinaus, die er von der unteren Elbe herüberraschend in der Richtung auf Stettin und Danzig bis zuden Weichselmündungen zu führen gedachte. So wollte er sich mitden von ihm an den großen Strömen noch behaupteten Festungenin Verbindung setzen, die dort zurückgebliebenen alten Truppendurch die jungen der neuen Armee ersetzen, um seiner Feldarmeeeinen festen Kern zu geben und mit dieser die Verbündeten spätervon Norden her anzugreifen. Wiederholt wies er den Vizekönig aufdie Wichtigkeit der unteren Elbe hin. Er wollte die Verbündeten