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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

zögernde Vorgehen der Verbündeten verständlicher. (S. Skizze 22.)Das ganze linke Rheinufer, die Niederlande und die deutsche Nord-seeküste mit den Hansestädten Bremen und Hamburg , sowie das Gebietvon Lübeck an der Ostsee waren Frankreich einverleibt. Unter demProtektorate Napoleons und zur Heeresfolge verpflichtet, gehörtensämtliche ehemals deutschen Staaten mit alleiniger Ausnahme vonPreußen und Österreich dem Rheinbunde an. Das Protektorataber bedeutete nicht viel anderes, als die Herrschaft. Unbedingtverfügte er ferner über das Herzogtum Warschau, das, aus denvon Preußen und Osterreich abgetretenen polnischen Landesteilenbestehend, ebenso groß war, wie der verstümmelte preußische Staat.Die Rheinbundstaaten übertrafen Preußen fast um das Doppeltean Gebiet, um das Dreifache an Einwohnerzahl. Von ihnen standendas Königreich Westfalen und das Großherzogtum Berg unterfranzösischen Fürsten, der Bezirk von Erfurt unter unmittelbarerfranzösischer Herrschast.

Zu dem Frankreich Napoleons gehörte sodann der ganze nord-westliche Teil von Italien einschließlich Rom , ferner die InselCorsica und das illyrische Küstengebiet. Im nordöstlichen Italien ,dem Königreiche, ließ er sich durch seinen Stiefsohn EugenBeauharnais vertreten. Süditalien stand unter der Herrschaftseines Schwagers Murat. In Spanien saß noch sein Bruder Josephauf dem Throne. Danzig war dem Namen nach ein Freistaat,tatsächlich aber durch die starke Besatzung in französischer Hand.Haben auch die nun folgenden Jahre bewiesen, auf wie schwachenFüßen diese Herrschaft außerhalb des eigentlichen Frankreich stand,so war sie im Augenblicke doch immer noch ein imposantes Gebilde,das an das Reich Karls des Großen erinnerte, ja es sogar nochübertraf. Wie winzig nahm sich dagegen Preußen aus, auf demaugenblicklich die Last des kommenden Krieges hauptsächlich ruhenmußte. Seit dem Tilsiter Frieden stellte es sich als ein verhältnis-mäßig schmales Küstengebiet an der Ostsee dar, von dem aus nurein Arm, Schlesien , bis zum Riesengebirge hin nach Süden vor-gestreckt war. Schneidemühl , Bromberg, Kulm und Thorn gehörtenschon zum Herzogtum Warschau, Rügen und der gegenüberliegendeTeil von Vorpommern zu Schweden . Die sächsische Grenze,vom Jsergebirge anfangend, trat nahe an Sagan und Crossenheran; gegen Potsdam und Brandenburg a. H. sprang sie bis aufzwei und drei Meilen nach Norden vor. Bei Magdeburg gehörte