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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

Kärnpfen durch das Don Dörfern und Gehölzen bedeckte Hügel-gelände am Fuße des Gebirges bis auf die Hauptstellung zurück.Dadurch wurde die Aufmerksamkeit der Verbündeten, die ohnehinauf den linken Flügel gerichtet war, noch mehr dahin gelenkt.Zumal glaubte Kaiser Alexander seine vorgefaßte Meinung be-stätigt zu sehen, daß der Hauptangriff Napoleons auf jener Seitezu erwarten wäre, und der linke Flügel der Verbündeten wurdenoch mehr verstärkt. Gneisenau riet zum Gegenangriff; doch wardseine Stimme nicht gehört.

Bautzen wurde um Mittag von Macdonald angegriffen und,als Marmont die Stadt auch von Norden her umfaßte, nachhartem Kampfe genommen. Der Kaiser zog darauf seine Gardendurch Bautzen vor und begab sich selbst auf den Ostrand des Tales.Soult drängte inzwischen den General Kleist, der mit Teilen seinerTruppen noch am linken Spreeufer verblieben war, nach hart-näckigem Widerstande schließlich bis gegen Litten zurück.

Abends um 7 Uhr war die vordere Linie der Verbündetenvöllig genommen. Nun traf auch Ney mit seinen Truppen beiSdier ein uud zwang die Russen zum Abzüge auf Klix, vermochteaber die Spree, an der er weiteren Widerstand sand, nicht mehr zuüberschreiten. Napoleons Zweck war erreicht; er hatte festen Fußam rechten Spreeufer gefaßt und Neys Heer zu der beabsichtigtenUmfassung nahe genug herangezogen. Der Hauptangriff konntebeginnen. Alles schien nach Wunsch gegangen zu sein; indessendie Verluste waren bereits sehr schwer. Sie hatten 5600 Toteund Verwundete betragen; nur etwa die Hälfte dieser Zahl ließendie Verbündeten auf dem Kampfplatze liegen.

Am Morgen des 21. Mai standen die Verbündeten kampf-bereit in ihrer Hauptstellung: zur äußersten Rechten Barclay mit15 000 Mann nördlich der Plieskowitzer Teiche, links neben ihmauf den Kreckwitzer Höhen Blücher mit 23 000 Mann. Bei Littenund Purschwitz Dorck und Kleist mit nahe an 10000 Mann;beide waren Blücher unterstellt. Weiter nach links, bei Baschütz,hielt Großfürst Konstantin mit 18000 Russen und Preußen, sowieder Masse der Artillerie, bei Jenkwitz Graf Berg mit 5000 Russenund endlich das auf 23 000 Maun gebrachte Korps von Milora-dowitsch zwischen dort und den Bergen von Mehltheuer. Von denKreckwitzer Höhen ab nach links war die Stellung durch Schanz-arbeiten verstärkt; zahlreiches Geschütz überall verteilt. Auf der