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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

die Russen ^auf dem äußersten rechten Flügel wurden abgewiesen.Trotzdem wurde im Hauptquartier der Verbündeten bei Räcknitzder Entschluß gefaßt, den Angriff abzubrechen. Die Nachricht vomEintreffen Napoleons in Dresden ließ, den Trachenberger Ab-machungen entsprechend, sofort den Gedanken an den Rückzug er-wägen. König Friedrich Wilhelm HI. widersprach lebhaft, wurdeaber überstimmt. Der Abmarsch sollte eingeleitet werden; eine langePause unterbrach den Kampf. Noch ehe die Befehle von Schwarzen-berg erlassen waren, gab jedoch eine russische Batterie das früherverabredete Signal zum allgemeinen Angriff durch drei Kanonen-schüsse. Um vier Uhr nachmittags begann daher der Sturm aufdie Schanzen und Vorstädte.

Wittgensteins Bataillone kamen auf dem äußersten rechtenFlügel an der Elbe, nach Wegnahme der vor der Stadt gelegenenHöfe und Gärten, bei der Lunette I zum Stehen, und ein furcht-bares Geschützfeuer vom anderen Elbufer her überschüttete sie.Neben ihnen zur Linken eroberte Kleist mit den Preußen nachstarken Anstrengungen den Verhau und dann auch den westlichenTeil des Großen Gartens. Hierauf griff er Lunette II und denzur Verteidigung eingerichteten Stadtrand dahinter mit viel Tapfer-keit an. Aber diese beiden Versuche schlugen fehl, und mit einemdritten traf schon Napoleons Gegenstoß zusammen.

Auch südlich des Großen Gartens waren die Preußen vor-gegangen, hatten einen Teil ihrer Reserveartillerie auf dem Hügelam Roten Hause in Stellung gebracht und beschossen die Stadt sowieLunette III. Ihre Sturmkolonnen gelangten bis an den DohnaerSchlag, wurden dort aber durch Mauern und Gräben aufgehalten,die ohne besondere Vorbereitungen nicht zu überwinden waren.

Die Österreicher brachten auf der Bodenwelle vorwärts vonRäcknitz eine große Batterie von 72 Geschützen gegen die LunettenIII und IV in Tätigkeit, beide litten in kurzer Zeit erheblich;französische Feldbatterien, welche die Verteidigung unterstützten,mußten abfahren. Die Besatzung erlitt schwere Verluste; Lunette IVmußte sogar vorübergehend geräumt werden. Als die Österreichersie aber vom Feldschlößchen aus besetzen wollten, warf eine äußereReserve der Franzosen , zur alten Garde gehörig, sie wieder zurück.Dann ging die österreichische Artillerie näher an die Stadt heran,um in die Umfassungen Bresche zu legen. Ein zweimaliger An-griff auf Lunette III wurde unter schweren Verlusten zurückge-