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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Vandammes Untergang

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Am 30. August war Vandamme schon in der Minderzahl. Den-noch beschloß er bei Kulm auszuhalten, bis die anderen Korpsder Armee herankommen und gemeinsam erneut zum Angriff vor-gehen würden. Mühsam behauptete der Marschall sich zwischendem Erzgebirge und Striesowitz gegen die immer stärker werdendenAngriffe der Russen und Österreicher. Sehnsüchtig schaute er nachden ankommenden Waffengefährten aus. Schon war er auf seinemlinken Flügel völlig umfaßt, die Striesowitzer Höhe in FeindesHand. Da erschien hinter ihm bei Vorder-Tellnitz eine Kolonneaus dem Erzgebirge . Er vermutete den mit der jungen Gardevon Pirna herankommenden Mortier. Zu seinem Schrecken abererkannte er bald preußische Truppen.

Kleist, der die Nacht bei Fürstenwalde zugebracht hatte, konnteam Morgen des 30. auf den überfüllten Straßen nicht vorwärts.Um den vor ihm liegenden Weg bei Schloß Geyersberg vorüberfrei zu macheu, hätte es 24 Stunden bedurft. Seine Lage wurdebedenklich; denn hinter ihm mußte von Dresden der Feind allmählichherankommen. Er faßte daher den kühnen Entschluß, auf der Höhe desErzgebirges östlich auszubiegen und gelangte auf einem leidlichenWege ungefährdet nach Nollendorf. Dort stand er im RückenVandammes. Dieser erkannte sofort die große Gefahr, in der erund sein Korps schwebten, aber er bewahrte die Ruhe. OhneZögern beschloß er, einen Teil seiner Truppen zu opfern und vorngegen Priesten hin weiteren Widerstand zu leisten, mit allemübrigen aber nach rückwärts durchzubrechen. Anderes blieb in derverzweifelten Lage nicht übrig; denn im Verlaufe des Kampfeswurde er schließlich auf drei Seiten, im Südwesten, Südosten undNordosten durch die Verbündeten umschlossen. Im Nordwesten abererhoben sich die steilen und damals fast ungangbaren Abhängedes Gebirges. Der Durchbruch gelang zum Teil. Allein die Massedes Korps wurde doch zersprengt; nur Trümmer retteten sich durchdas Gebirge nach Sachsen hinein, Vandamme selbst wurde gefangen.Er war von der eigenen Armee im Stiche gelassen worden; ihn trafkein anderer Vorwurf, als vielleicht der einer zu großen Verwegenheit.

82 Geschütze, 5 Feldzeichen und 10000 Gefangene mit zahl-reichen Generalen waren die Trophäen der Verbündeten, die andiesem Tage angeblich nur 3319 Mann verloren haben sollen.Der Gesamtverlust der Franzosen ist schwer festzustellen. Er wirdauf mehr als 15000 Mann angegeben.