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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

Flanke, das Korps Tauentzien bei Blankenfelde die linke. Dieganze Stellung bildete einen flachen, nach Süden geöffneten Bogen.

Oudinot rückte am 23. August in diesen Bogen hinein. Seine67 000 Mann mit 216 Geschützen fanden dort 105 000 Mannmit 290 Geschützen vor sich. Wenn Oudinot des Kaisers Befehlbefolgt hätte, geradeswegs und geschlossen auf Berlin zu marschieren,so wäre eine Katastrophe seines ganzen Heeres wohl nicht aus-geblieben. Er ging indessen vorsichtiger zu Werke.

Nördlich der Notte- und Nutheniederung zog sich eine damalsnoch zusammenhängende Wald- und Buschzone hin, aus der manweiter nach Norden in das freiere sanft gewellte Gelände südlichBerlin heraustrat. Um die Engen leichter zu durchschreiten, gingendie Franzosen in drei, ziemlich weit getrennten Kolonnen von Jühns-dorf, Genshagen und Ahrensfelde vor. Rechts stieß Bertrand mitdem 4. Korps auf Tauentziens Stellung von Blankenfelde , fandum die Mittagszeit heftigen Widerstand und gab die weiteren Ver-suche auf. Er wollte nunmehr bei Jühnsdorf den Erfolg und dieEinwirkung des Vorgehens der Nachbarkolonnen abwarten.

In der Mitte wurde der Kainpf ernster. Dort rückte dertüchtige Reynier, auf dessen Tapferkeit und Umsicht Napoleon gerechnet hatte, mit dem 7. Korps an. Ihm gegenüber standBülow bei Heinersdorf, seine Vorposten hielten Groß-Beeren.Dieses Dorf griff Reynier zwischen 3 und 4 Uhr nachmittagskräftig an und entfaltete dazu gleich so bedeutende Kräfte, daß diePreußen den Widerstand aufgaben und es räumten. Reynier richtete sich daraufhin mit feinem Korps westlich des Dorfes ein,geschützt durch den Windmühlenhügel, den er stark besetzte. Vor-posten wurden nicht ausgesetzt; von der unmittelbaren Nähe derverbündeten Armee hatte man im französischen Lager keine Ahnung.Man hielt die kriegerischen Vorgänge des Tages für beendet;starker Regen ging hernieder und machte weiteres unwahrscheinlich.

Der Kronprinz von Schweden billigte unter diesen UmständenBülows schnell gefaßten Entschluß zum Gegenangriff, der dieFranzosen völlig überraschte. Das preußische Korps ging aus demLager von Heinersdorf geradeswegs auf Groß-Beeren und dieWindmühlenhöhe los. Das war gerechtfertigt, wenn auch der An-griff auf den feindlichen linken Flügel, der eben erst eintraf, nochmehr Erfolg versprochen hatte. Die vorgerückte Stunde verbot jedenZeitverlust.