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IV. Die Befreiungskriege
anfänglich seinem Marschall gefolgt und mußte zurückgeholt werden.So konnte Blücher an diesem Tage vorwärts von Striegau seineTruppen zum Wiedervorgehen ordnen, das am 25. begann.
Als er am 26. eben im Begriff stand, die Katzbach zwischenLiegnitz und Goldberg zu überschreiten, um Macdonalds Heer an-zugreifen, erkannte er, daß dieses ihm entgegenkam. Es sollteheute verspätet Napoleons Befehl ausführen und Blücher überJauer zurückwerfen, um sich dann am Bober aufzustellen.
Stoßen zwei Heere an einem Flußlaufe aufeinander, so wirddasjenige im Vorteil sein, welches in die Lage kommt, das anderebeim Übergange anzufallen. Dieser Vorteil war hier auf BlüchersSeite, und er benutzte ihn mit Glück und Geschick.
Der Unterschied im Verhalten der Oberbefehlshaber entschiedden Tag.
In beiden Armeen waren die Zustände übel. Die Truppenlitten arg unter schlechtem Wetter und Mangel an Verpflegung.Nicht nur bei den jungen französischen Konskribierten, sondern auchbei den preußischen Landwehren, die erst im Eingang ihrer Kriegs-erfahrung und Gewöhnung standen, machte sich dies fühlbar. Untersolchen Umständen ist ein Angriff und ein tüchtiger Kampf dasbeste Mittel, die Truppen zusammenzuhalten.
Macdonald wollte mit dem 5. und 11. Korps in der allge-meinen Richtung über Seichau, mit dem 3. Korps, das an NeysStelle Souham übernommen hatte, über Liegnitz und südlich, mitdem Kavalleriekorps Sebastiani zwischen beiden Gruppen über Kraynauf Jauer vorrücken. Dort vermutete er Blüchers Heer, an derKatzbach und Wütenden Neiße aber nur eine Nachhut. Die DivisionPuthod des 5. Korps sollte weiter südlich am Fuße der Gebirgeausholen und die schlesische Armee umgehen. Der weite Wegbrachte es mit sich, daß sie während der Schlacht fehlte. EineDivision des 11. Korps ging auf Hirschberg vor, wo russischeStreitkräste standen. Im ganzen führte Macdonald 80—90000Mann gegen Blüchers etwa gleichstarke Kräfte heran. Allgemeinaber herrschte bei den Franzosen der Glaube, daß es am 26. zukeinem ernsten Gefecht kommen werde. Tatsächlich befanden sich jenegefechtsbereit nahe gegenüber zu beiden Seiten der Wütenden Neiße.
Auf der Straße nach Jauer stand Langeron bei Seichau.Er war den anrückenden Franzosen anfänglich überlegen, wollteaber dennoch vor ihnen zurückweichen. Blücher hielt ihn fest. Nun