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nähme des befestigten Luckau , wodurch das ganze Land zwischenElbe und Spree für die Nordarmee offen wurde, traf er seine An-ordnungen. Ney übernahm Oudinots Heer, der Kaiser mit denGarden wollte bei Hoyerswerda sein, um von dort über Baruth nach Berlin zu marschieren und auch Ney dazu heranzuziehen.Bernadotte vermochte durch sein Vorgehen jede Offensive nachSchlesien in der Flanke zu bedrohen. Blücher konnte am Bober ,am Queis oder an der Neiße aufgehalten werden. Als aber dieNachricht von dessen schnellem Vordringen eintraf, schwankte derKaiser, ob er sich Macdonald zuwenden oder mit Ney nordwärtsmarschieren sollte.
Am 3. fällt die Entscheidung; die Garden gehen direkt nachBautzen , weil Macdonald mittlerweile bis dorthin zurückgewichenist und der Unterstützung am dringendsten bedarf. Auch MarmontsKorps und die Kavallerie von Latour-Maubourg werden zumgleichen Ziele in Bewegung gesetzt. Der Kaiser selbst folgt. Allesübrige bleibt zum Schutze Dresdens zurück.
Wider seinen Willen mußte der Kaiser den neuen Zug gegenBlücher unternehmen. Dieser hatte der Aufforderung, die Haupt-armee durch einen Marsch nach Böhmen zu verstärken, wider-standen, verhieß aber seine Unterstützung durch energischen Vorstoßauf Dresden . Nach dem Ruhetage vom 1. September war er durchGörlitz vorgegangen, und am 4. näherte er sich Bautzen . Alleinschon vor der Stadt, bei Hochkirch , traf die Vorhut auf festenWiderstand. Blücher schloß sofort aus der veränderten Haltungder französischen Truppen auf die Anwesenheit des Kaisers.
Sein Scharfblick täuschte ihn nicht. Sogleich stellte er seinVorgehen ein und wich vor dem sich verstärkenden Gegner ersthinter die Neiße, dann hinter den Queis bei Lauban zurück. Un-willig sah Napoleon die Aussicht auf einen wirksamen Schlagwieder schwinden. Am 6. abends traf er von neuem in Dresden ein. Auch Schwarzenberg hatte sich geregt. Der Zug nach Schlesien war nochmals erfolglos geblieben.
Kaum war Napoleon weg, da wurden auch die Fortschritteder Franzosen langsamer, und sogleich beschloß Blücher, zur Offensivezurückzukehren. Langerons Behutsamkeit aber verhinderte dies undnötigte die schlesische Armee, am 7. September zu ruhen.