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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

dem Schlachtfelde ein. Tauentzien, anfangs allein der Übermachtentgegengestellt, durfte darauf rechnen, daß Bülow im Laufe desTages dem Feinde in die linke Flanke fallen werde und am Nach-mittage auch der Kronprinz mit der übrigen Armee herankommenkönnte.

Die Lage war eine sehr spannende. Der Landrücken des HohenFläming, der von Wittenberg her südlich an Jüterbog vorüberbis in die Gegend von Baruth streicht, ist kahl und übersichtlich.Es muß zu Ende August dort weniger geregnet haben, als weitersüdlich. Dicke Staubwolken verrieten die heranziehenden Marsch-kolonnen, entzogen aber die Einzelheiten dem Blicke der Späher.

Als Tauentzien gewahrte, daß er seinen Flankenmarsch zuBülow nicht weiter fortführen könne, ließ er sein Korps am Wegevon Jüterbog nach Kaltenborn aufmarschieren. Nach mancherleiEntsendungen und dem Zurücklassen einer stärkeren gemischten Ab-teilung bei Jüterbog waren indes nur 11 Bataillone, 16 Eskadronsund 19 Geschütze beisammen. Dazu kamen noch vier von Bülowvorausgesandte Schwadronen.

Drüben marschierte Bertrand mit zwei Divisionen rechts undlinks des von Dennewitz nördlich führenden Feldweges auf, diedritte blieb hinter Dennewitz in Reserve, die Kavallerie bildete denlinken Flügel.

Um seine des Kampfes ungewohnte Landwehr nicht derschweren Probe auszusetzen, daß sie stehenden Fußes den Feinderwarten müßte, ging Tauentzien diesem entgegen. Aber der Stoßmißlang. Seine Infanterie und Artillerie erlitten eine völligeNiederlage und fluteten nordwärts zurück. Ney, der selbst aufdem Kampfplatze eingetroffen war, hätte jetzt östlich abmarschierensollen. Aber er blieb. Tauentzien, für den es galt, wenigstens soviel Zeit zu gewinnen, daß der schon nahe herangekommene Büloweingreifen konnte, raffte daher alles, was er auf seinem rechtenFlügel an Kavallerie verfügbar hatte, zusammen und warf denfeindlichen linken Flügel durch einen glänzenden Reiterangriff, beidem sich auch die Landwehr-Kavallerie bewährte. Bertrands Vor-gehen geriet in Unordnung und begann zu stocken. TauentziensReiter hatten zunächst die Ehre des Tages gerettet.

Um 12^/2 Uhr traf Bülow auf dem Schlachtfelde bei Nieder-Görsdorf ein. Die Stimmung der Truppen war durch die Sieges-nachricht von der Katzbach gehoben. Sofort ging seine vorderste