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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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IV. Die Befreiungskriege

dachte sogar an die Rückkehr auf das rechte Ufer des Stromes,wenn Napoleon von neuem Berlin bedrohen sollte. Zunächst ver-langte er, daß Blücher bei Zörbig warte, um den Rückzug derNordarmee hinter die Saale zu sichern. Eine Übereinstimmungkam auch bei einer Zusammenkunft der Feldherren nicht zustande.Der Kronprinz bestand auf dem Saaleübergange bei Bernburg undAlsleben, Blücher sollte bei Wettin den Fluß überschreiten, undder Kronprinz verhieß, dort für ihn eine Brücke schlagen zu lassen.Blücher dachte schon an eine Trennung und bestimmte Bülow,ihm nötigenfalls zu folgen.

Als dann Blücher am 11. die Brücke bei Wettin nicht vor-fand, selbst keine Vorbereitungen für den Bau getroffen waren,entschloß er sich kurzerhand und gab seinen Heersäulen die Rich-tung auf Halle . Die Würfel waren gefallen.

Am 12. Oktober stand die schlesische Armee auf dem linkenSaaleufer bei Halle vereinigt. Die Verbindung mit der Hauptarmeewar gesichert.Die drei Armeen stehen nunmehr derart naheaneinander, daß ein gleichzeitiger Angriff auf den Punkt, wo derFeind seine Kräfte vereinigt hat, stattfinden kann," hatte Blücherdem Kaiser Alexander gemeldet.Unsere schlesische Armee erwirbtsich große Verdienste," rief Gneisenau befriedigt aus. Groß wardas Wagnis gewesen, sich ganz von den rückwärtigen Verbindungenloszumachen und sich dem Kampfe mit verkehrter Front auszusetzen groß aber auch der Erfolg. Ohne das fortreißende Ungestümder schlesischen Armee wäre es nicht zum gemeinsamen Handelnder drei verbündeten Heere bei Leipzig gekommen.

Die Nordarmee befand sich am 12. Oktober bei Alsleben amlinken Saaleufer. Nur das durch Napoleons Erscheinen vonDessau aufgescheuchte Korps Taueutzien war auf das rechte Elb-user nach Zerbst zurückgewichen und hatte Thümen von Witten -berg zu sich herangezogen, die Roslauer Elbbrücke aber ab-brechen lassen.

Inzwischen rückte auch die Hauptarmee heran, Murat langsamunter leichteren Gefechten bei Penig, Eschefeld und Froh-burg, Borua, Flößen, Wethau und Stößen vor sich her-drängend. Am 10. Oktober erreichte sie mit ihren vorderstenTruppen Borna und Rötha und nahm, die Streifkorps von Thiel-mann und Meusdorff von Westen heranziehend, mit Blücher dieVerbindung auf, der am 12. schon Merseburg besetzen ließ. Hinter