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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
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Der Ausweg zur Saale bleibt den Franzosen offen

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Kaiser dem General Dombrowski noch eine Gardedivision zu Hilfegesandt hatte. Dessen Widerstand völlig zu brechen gelang nicht.

An einem langen Sommertage wäre die französische Armeewohl verloren gewesen; die früh hereinbrechende Dunkelheit des

18. Oktober wendete ihre völlige Niederlage ab. Im Süden undOsten von Leipzig behauptete sie sich noch mit großer Zähigkeit;die Rückzugslinie durch Leipzig blieb in ihrer Gewalt; den einzigenAusweg zur Saale hatte sie sich freigemacht. Bleiben, wo sie war,konnte sie allerdings nicht; das wäre ihre völlige Vernichtung ge-wesen. Der Kaiser gab seine Sache in Deutschland auf. Ermußte sie aufgeben und ordnete den Rückzug an.

^9. Vktober. Die Erstürmung der Stadt Leipzig

Macdonald sollte den Abmarsch mit dem 8. und 11. Korpsdecken und Leipzig noch einen Tag lang bis zum Abend des

19. Oktobers halten. Schwarzenberg glaubte des Morgens nochan einen harten Strauß für diesen Tag. Mit dem Morgengrauensollten alle ihre Streitkräfte auf dem Schlachtfelde bereitstehen undin fünf großen Kolonnen vorrücken, wenn der Feind zurückginge,weil erst nach Einnahme der Stadt Leipzig der Sieg als ent-schieden zu betrachten". Bertrands Abmarsch war jedoch vom Kampf-platze aus beobachtet worden. Die Verbündeten schlössen darausauf den bereits begonnenen Rückzug des Feindes. Bald drängtensie von allen Seiten heran. Um 10 Uhr standen sie zum Sturmebereit. Dann folgte noch eine halbstündige Pause, die mit Ver-handlungen über die Räumung Leipzigs verloren wurde. Gegeu11 Uhr nahm der Kampf seinen Fortgang. Hartnäckig verteidigtendie Franzosen erst die Stadtränder und Tore; doch ward zuerstdurch die Ostpreußen das Grimmaische, bald danach durch Pommernund Russen das Spitaltor gestürmt. Unter erbitterten: Häuser-kampfe arbeiteten sich die Angreifer sodann in Straßen und aufPlätzen vorwärts, und am frühen Nachmittage war Leipzig inihrer Hand, wo sie noch an 12 000 Mann von Reynier, Lauristonund Poniatowski zu Gefangenen machten. Um 1 Uhr nachmittagshielten Kaiser Alexander, König Friedrich Wilhelm III. und FürstSchwarzenberg ihren Einzug. Der Abfluß der französischen Heeres-trümmer hatte zuletzt durch eine einzige Straße erfolgen müssen.Zum Unheil für die letzten Truppen war die Sprengung der