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sich bei Colombey-les-deux-eglises; Wrede kam nach Doulevant,Wittgenstein nach Vassy heran. Kleist und Uorck wurden zumschnelleren Vorgehen aufgefordert. Der Kreis begann sich umNapoleon zu schließen, der eine eigentümliche Hakenstellung vonder Aube über La Rothiere hinweg nach La Giberie und von dortnördlich genommen hatte. (S. Skizze 43.) Dennoch harrte eraus. Der kühne Feldherr wurde zum waghalsigen Spieler; seineverzweifelte Lage ließ ihm kaum noch etwas anderes übrig.
Die Schlacht von La Rothiere am ^. Februar(S. Skizze 44)
Im verbündeten Heerlager begann man nach langem Zweifeln,den Vorteil zu erkennen, den man in der Hand hielt. Blücherwurde für den 1. Februar mit einem Vorstoße betraut; er sollte denFeind aus Brienne vertreiben. Gyulai mit dem 3. Korps derHauptarmee und ebenso die Württemberger wurden ihm unterstellt, sodaß er im ganzen über 53 000 Mann unmittelbar verfügte. KaiserAlexander und König Friedrich Wilhelm III. kamen, um demKampfe beizuwohnen.
Der Angriff begann um 1 Uhr nachmittags. Die Russenunter Sacken und Olsuwief gingen geradeaus von Trannes aufLa Rothiere vor und eröffneten die Schlacht durch lebhaftes Feuerihrer vorauseilenden Artillerie. Napoleon trat ihnen zunächst mitstarken Kavallerieangriffen aus der Front heraus entgegen, ohnedie Batterien nehmen zu können. Ein heißes Ringen wogte dannum La Rothiere bis zum Abend hin und her. Weicher Bodenund Schneesturm erschwerten Bewegung und Übersicht.
Zur Rechten arbeiteten sich die Württemberger durch schwierigesWald- und Sumpfgelände gegen La Giberie vorwärts und nahmenes abends nach heftigem Kampfe.
Die Entscheidung brachte Wrede, der mit dem 5. — dem bayerisch-österreichischen — Korps der Hauptarmee aus eigenem Antriebe vonDoulevant über Soulaines weitermarschiert war und nachmittagsum 4 Uhr mit seinen 26 000 Mann auf dem Schlachtfelde er-schien. Den nun vereinigten 79 000 Verbündeten hatte Napoleon nicht mehr als 45 000 Mann entgegenzustellen, darunter vielKavallerie, die bei dieser Jahreszeit, noch dazu in der Verteidigung,nur wenig nützen konnte.
Wrede erstürmte Chaumesnil und behauptete sich gegen des