Blücher überschätzt seinen Erfolg
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endgültig verloren, als nun auch La Rothiere nach blutigem Streitein Blüchers Hand blieb. Nur um Dienville an der Aube wurdenoch bis in die Nacht hinein gekämpft.
Gegen dieses von Gerard verteidigte Dorf hatte sich Gyulaiam linken Aubeufer gewendet und um 5 Uhr nachmittags denBefehl zu dessen Fortnahme erhalten. Alle Angriffe, die schließlichauf beiden Flußufern ausgeführt wurden, schlugen jedoch fehl. DieÖsterreicher erlitten außerordentliche Verluste. Erst als die Ver-teidiger das Dorf zu verlassen begannen, konnten sie eindringen.
Abends um 9 Uhr trat der Kaiser den Rückzug auf Briennean, den er schon vor der Schlacht erwogen hatte, ohne sich recht-zeitig dazu entschließen zu können.
Der Tag war blutig gewesen. Auf jeder Seite gingen an6000 Mann verloren. Bei den Franzosen war nahezu die Hälftedavon auf Gefangene zu rechnen, ein übles Zeichen für die neuaufgestellte Arme. Schwerer fast wog, bei dem Mangel an Kriegs-material, der Verlust von mehr als 60 Geschützen.
Blücher sah sich am Ziel seiner Wünsche. Er hatte selbständiggegen Napoleon kommandiert und ihn geschlagen. Der Traum,der ihn seit dem Tage von Lübeck nicht verlassen, war erfüllt.Die Bedeutung feines Sieges überschätzte er freilich. „In achtTagen sind wir vor Paris, " schrieb er jubelnd.
Wohl hätte der Tag von La Rothiere Napoleon die Ver-nichtung bringen können, wenn Schwarzenberg mit allen Kräftenzugegriffen hätte. Die leidige Politik hatte ihm den Arm gebunden.Österreich tat alles, um die völlige Niederlage des Kaisers zu ver-hüten; der schleppende Gang, den alle Entschließungen im Haupt-quartier der Monarchen nahmen, lahmte, was von Energie in derFührung noch übrig blieb. Nur die eine Hälfte der Armee hattegefochten, um der anderen das Schauspiel einer Schlacht zu geben.
Trotz des schweren Schlages, den er erlitten, war Napoleon keineswegs gesonnnen, seine Sache verloren zu geben. Gerade jetztim Unglück erhob sein Genius sich noch einmal zur alten Höhe.Zwar entwarf er für feinen Bevollmächtigten Caulaincourt maß-volle Instruktionen, „um die Verhandlungen zu einem guten Endezu führen". Allein auch damit war es ihm nicht voller Ernst, tagsdarauf verweigerte er die Unterzeichnung. Er hoffte noch immeranf eine Wendung des Kriegsglücks.