Druckschrift 
1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
Seite
408
Einzelbild herunterladen
 

408

IV. Die Befreiungskriege

zum Marsche nach dem Rheine zurück gefolgt, als sich auch Augereauvon Lyon her bemerkbar zu machen begann.

Zum Glück für die Sache der Verbündeten aber täuschte derKaiser sich völlig in der Person seines Gegners und ebenso in demGeiste, der die russischen und namentlich die preußischen Truppen,sowie ihre Offiziere beseelte. Der große Verächter der Massen ver-mochte an die moralische Erhebung seiner Gegner nicht zu glaubenund sie in Rechnung zu stellen. Er erwartete und befürchtete vonder schlesischen Armee vorerst nichts Ernstes und hielt sie einst-weilen für abgetan.

Es regte sich bei ihm auch die Besorgnis um die Sicherheit derHauptstadt. Bitter rächte sich jetzt, daß innerpolitische Rücksichtenihn verhindert hatten, Paris während des Winters zu befestigen,um es vorübergehend sich selbst überlassen zu können. DurchliefeVersäumnis war er in die Zwangslage geraten, daß er jetzt un-aufhörlich auf dessen Deckung bedacht sein mußte und die Freiheitder Bewegung verlor.

Sein Entschluß stand deshalb auch bald fest, von Blücherabzulassen und sich gegen Schwarzenberg zu wenden. SeineSchnelligkeit dabei glich der seiner besten Tage. Schon um 4 Uhrmorgens des 15. Februar ergingen die neuen Befehle. Wie einstin Schlesien Macdonald, so sollte hier Marmont der schlesischenArmee gegenüber zurückbleiben, um sie erst noch weiter zurückzu-drängen. Wenn sie dann, neu gekräftigt und verstärkt, wieder zumAngriff schritt, so sollte er ihr langsam von Stellung zu Stellungüber Montmirail nach La Ferte-sous-Jouarre ausweichen. In-zwischen hoffte der Kaiser auch mit dem zweiten Feinde fertig ge-worden zu sein.

Die Armee wurde zu diesem Zwecke zunächst auf La Ferte-sous-Jouarre in Marsch gesetzt. Von dort wollte Napoleon nachSüden abrücken und sich der Hauptarmee vorlegen. Er berechnete,daß dies am besten bei Guignes werde geschehen können, wo dieStraßen von Meaux nach Melun und von Paris nach Nangis sichschneiden. Sollte Schwarzenberg bei seinem Erscheinen zurückgehen,dann war er entschlossen, wieder über Montmirail auf ClMonsoder Vitry vorzugehen und dem Feinde in die rechte Flanke undden Rücken zu marschieren.

Am Nachmittage des 15. Februar war er in Meaux ; am 16.versammelte er seine Streitkräfte die Korps Victor, Oudinot ,