Das Schlachtfeld. Blüchers Schlachtordnung
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Front auf vier Kilometer Entfernung die alte Römerstraße ent-lang. Zwischen beiden gleicht das Schlachtfeld einer mäßig er-hobenen Halbinsel. Im Vergleich zu Groß-Görschen waren dieRollen der Kämpfer vertauscht, die Preußen diesmal die Verteidiger,die Franzosen die Angreifer.
Mit Tagesanbruch des 16. war Blücher zu Pferde und begabsich nach der Mühle Hon Bussy. Noch herrschte vollkommene Ruhe,und sie sollte wider Erwarten den halben Tag lang andauern, sodaß der Fürst die Zeit gewann, seine Armee zur Schlacht zuordnen. Zieten war eben im Begriff, sich zur Verteidigung ein-zurichten. Einige Bataillone besetzten die Dörfer Brye, St. Amandla Haye, St. Amand und Ligny. Vorn bei Ligny stand seinevierte Brigade, dahinter im inneren Raume des Dörfervierecksrechts die zweite, links die dritte, und die erste am Nordende vonBrye als Rückhalt. Vorwärts, Fleurus gegenüber, bei dem so-genannten „Grab", hielt Zietens Reservekavallerie mit einer Batterie.Sie meldete um 10 Uhr vormittags den Anmarsch starker Infanterie-kolonnen mit Kavallerie von Charleroi auf Fleurus und ging dannzurück, um sich nördlich Ligny bereitzustellen. Der Feind folgtezunächst nicht über Fleurus hinaus. Weit später, als Blücher er-wartet, nämlich erst zwischen 10 und 11 Uhr, rückte das 2. KorpsPirch durch Sombreffe heran und stellte sich mit seinen vier Bri-gaden nebeneinander hinter dem Dörferviereck auf, den Rücken ander Straße Quatre-Bras—Sombreffe, von Blücher mit feurigenWorten begrüßt. Zwischen 11^ und 12^ traf endlich auch Thiel-mann ein. Er stellte sich mit seinem Korps quer über die ChausseeFleurus—Namur auf, die vor der Front gelegenen Dörfer Potriauxund Tongrinelle leicht besetzend. Seine Schlachtlinie bildete alsofast genau einen rechten Winkel zu der am Lignybach entlanglaufenden Front der Armee. Er stand bereit — drei Brigaden inerster Linie, eine, die 12., in der Mitte dahinter bei dem GehöftLe Point du Jour, — um den, gegen die Hauptstellung vorgehendenFeinden im entscheidenden Augenblicke in die Flanke zu fallen.
Der französische Angriff hätte, wie man leicht erkennt, diepreußische Armee bei weitem noch nicht versammelt gefunden, wäreer in voller Frühe erfolgt. Aber er ließ auf sich warten. DerKaiser hatte, wie wir wissen, kostbare Stunden versäumt. Erst um2 Uhr 30 Min. nachmittags entwickelte er seine Armee durch Fleuruszu einem massigen Vorgehen, bei dem sie zunächst eine Links-