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1 (1910) Im Zeitalter Napoleons
Entstehung
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516
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S16

IV. Die Befreiungskriege

größte Teil des Großherzogtums Warschau zufiel, wieder aufgebenmüssen. Auch ward es zum Verzicht auf das ganze von ihm be-gehrte Gebiet von Sachsen gezwungen und erhielt nur dessen nörd-liche Hälfte. Aber Posen war ihm geblieben, Schwedisch-Pommernihm zugefallen und am Rhein eine neue preußische Staatshälfte, be-stehend aus den reichen Provinzen Rheinland und Westfalen geschaffenworden. Österreich ging von den Festlandsstaaten mit dem reichstenLohn aus den langen Verhandlungen hervor. Es behielt Galizien bis auf den schon 1809 abgetretenen Teil, und bekam Tirol, Salz-burg , sowie die verlorenen Stücke von Oberösterreich wieder, dannauch die illyrischen Provinzen, die Lombardei und Venedig. OhneKummer verzichtete es auf Belgien und die schwäbischen Besitzungen,die es zu Ende des verflossenen Jahrhunderts in die unliebsameBerührung mit Frankreich gebracht hatten. Die geschlossene, nachallen Seiten hin wohl abgerundete Gestalt seines Staatsgebietesschien es für die Zukunft zur stärksten Landmacht Europas zu machen.

Erzherzog Ferdinand bestieg den Thron von Toscana . Mitdem Könige von Neapel stand Osterreich im Geheimbunde. SeineVormachtstellung war damit unbestritten.

Die am 12. Juli 1815, nach dem Einrücken der verbündetenFürsten in Paris , begonnenen Verhandlungen führten am 20. No-vember zum Abschluß des zweiten Pariser Friedens. Er gabLandau an Bayern, Saarlouis an Preußen , das DepartementMontblanc an Sardinien , Philippeville und Marienbourg an dieNiederlande, kleine Grenzdistrikte an die Schweiz . Die FestungHüningen wurde geschleift, eine Kriegskosten-Entschädigung von700 Millionen Frank zugestanden. 150 000 Verbündete solltennoch längstens fünf Jahre im Lande stehen bleiben. Zufolge einesBeschlusses auf dem Aachener Kongresse aber wurden sie schon vom30. November 1818 ab zurückgezogen. Das zweimal besiegte Frankreich hatte keinen Grund, sich über zu harte Bedingungen zu beklagen.

Napoleon aber war für immer unschädlich geworden, an seineRückkehr von St. Helena nicht mehr zu denken, der Friede dauerndgesichert. Europas Völker, die eine zwanzigjährige Periode fastununterbrochener Kriege erschöpft hatte, sehnten sich ihm verlangendentgegen. Sie bedurften seiner zur ruhigen Arbeit an der Wieder-aufrichtung des ehemaligen Wohlstandes und am Ausbau der neuenStaatengebilde. Auch ein Blücher schrieb damals:Ich habe dasMorden zum Überdruß satt!"