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2 (1914) Im Zeitalter Kaiser Wilhelms des Siegreichen
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Neue Durchbruchspläne in Paris

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In Paris war General Ducrot nach dem verunglückten Durchbruchs-versuch von VilliersChampigny emsig bemüht, seine Armee wiederherzu-stellen und zu neuen Anstrengungen vorzubereiten. Sein Plan, sich über dieHalbinsel von Gennevillers den Weg nach Westen zu bahnen, fand die Ge-nehmigung der Regierung nicht. Die anfänglich noch festgehaltene Hoff-nung auf ein Erscheinen der Loirearmee in der Nähe der Hauptstadtschwand, als General v. Moltke Nachricht von d'Aurelles Niederlage undder Wiedereinnahme von Orleans gab. Nunmehr wurde ein Massenaus-fall nach Norden erwogen. Solange das Eis nicht fest war, bot derMorsebach dort freilich ein Hindernis, aber auf der 45 Kilometer langenFront standen nur drei deutsche Korps mit zusammen 81200 Mann, dieman mit großer numerischer Überlegenheit angreifen konnte. Zur Aus-führung bestimmte man den 21. Dezember. Sorgsam wurde das Unter-nehmen vorbereitet.

Erst sollte der vor der deutschen Front gelegene vorgeschobene Postenvon Le Bourget genommen werden, während General Vinoy die III. Armeegegen die Sachsen vorführte, und gleichzeitig auch der rechte Flügel derdeutschen Stellung von starken Kräften bedroht wurde. Dann erst durfteGeneral Ducrot mit der II. Armee den Moreebach bei Aulnay und leBlanc Mesnil überschreiten, um gegen Nordosten vorzubrechen.

Der etwas umständliche Plan sollte indes schon an der Einleitung,dem Kampf um le Bourget scheitern. Die Verfassung der Einschließungs-armee, die lange Zeit Ruhe gehabt hatte, war damals vortrefflich undder Ausfall keine Überraschung. Einiges von den französischen Vorbe-reitungen war bekannt geworden und alles geschehen, um der mutmaßlichgefährdeten Front schnell Verstärkungen zuzuführen.

Auf Anordnung des Oberkommandos der Maasarmee stand am 21. De-zember früh sogar die 2. Gardedivision an den MorSeübergängen bereit,ein Teil der 1. bei Gonesse in Reserve. Seit dem frühen Morgen feuerteder Mont Valerien, um die Deutschen irrezuführen. Als um 7^ Uhrder Nebel fiel, wurde le Bourget von den Forts und Batterien aus miteinem Geschoßhagel überschüttet, bald auch von allen Seiten her ange-griffen und die aus 5 Kompagnien bestehende Besatzung im Innern zu-sammengedrängt. Dort behauptete sie sich standhaft, bis von 9 Uhr abVerstärkungen eintrafen. Gegen Mittag war Bourget mit den danebengelegenen Fabriken wieder ganz in deutscher Hand. Nunmehr wurdees von 15 Kompagnien besetzt. Zwei Batterien gingen seitwärts inStellung.

Vergeblich hatte General Ducrot auf das Signal gewartet, das ihm

Frhr. v.d.Boltz, Kriegsgeschichte II 35