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Absolutismus und Bureaukratie meisterten den beschränk-ten Verstand „der Untertanen“ und bestimmten womög-lich, wie er die Suppe zum Munde zu führen habe.
Dieses System — halb Kinderstube, halb Kaserne —schien unter den Schlägen des grossen Parvenüs zusammen-gebrochen zu sein, der „dem Talent die Carriere eröffnet“hatte, dessen Marschälle gemeine Soldaten gewesen waren.Mit Husaren hatte Napoleon die preussischen Festungenerobert, und sieben preussische Minister hatten demTriumphator bei seinem Einzuge in Berlin den Treueidgeschworen! Die Berliner hatten das „vive l’empereur“dem Begründer ihrer Selbstverwaltung entgegengejubelt.
Und doch, wie schnell waren die Lehren dieser Jahrevergessen! Kaum waren mit Hilfe des Volkes die Fremdenverjagt, so war dieses „lederne geistlose Wesen “ 4 wiederauferstanden, welches Preussen in Deutschland allezeit soverhasst gemacht hat. Wieder regierten bureaukratischerDünkel, junkerliche Überhebung und nicht minder jenerUnteroffizierston, der das Verhältnis zwischen Staatund Volkvergiftet. Absolutismus und Feudalität waren wieder diehandgreiflichsten Mächte der deutschen Welt. Zensur undGewissenszwang knechteten das Volk der himmelstürmen-den Denker. Die Stein und die Scharnhorst ruhten bei denToten, nicht anders die Kant und die Fichte. In un-erreichbar weiter Ferne aber schwebte jene deutscheNation, die — nach innen frei, nach aussen stark — derTraum der Idealisten gewesen war. Einem Friedrich Wil-helm IV. stand die Reinigung der evangelischen Landes-kirche von den ernst religiösen, aber freier gerichteten„Lichtfreunden“ unendlich höher als die Sorge um dieauswärtige Politik seines Staates 5 . In der Tat — dieserStaat schien unbelehrbar — dieser Staat, der nicht ein-mal das in der Not des Befreiungskampfes gegebene Ver-fassungsversprechen einlöste — dieser grösste deutscheStaat, der, um den eigenen Absolutismus fortzufristen,zeitweise sogar ein „Los von Deutschland“ ins Auge fasste.