14
d) Aber Marx ist Zerstörer nicht nur mit dem Kopfe,sondern auch mit dem Herzen. Die Wertzersetzung, dieihm Lebensinteresse ist, will Marx auch der Mitwelt auf-zwingen, und mit blosser Verneinung ist die Mitwelt nichtfortzureissen. Zwei Mittel kommen ihm hiefür vor allemin Betracht, zunächst der Naturalismus, d. h. die zur Welt-anschauung gesteigerte Naturwissenschaft, sodann dasSozialrevolutionäre Proletariat.
Der philosophische Materialismus wird damitzur positiven Grundlage der Marxischen Weltanschauung,welche bewusst dem Westen entlehnt ist. „Der Materialis-mus ist der eingeborene Sohn Grossbritanniens. “ „DieFranzosen verliehen ihm das fehlende Temperament undGrazie. Sie zivilisierten ihn.“ Als Trägerin des Materialis-mus schätzt Marx — wie D. Strauss und Feuerbach nichtNaturwissenschaftler — die Naturwissenschaft. Diese wirktgegen die Religion und damit gegen den Staat, wogegendie Historie die Niedertracht von heute durch die Nieder-tracht von gestern beschönigt 24 . Die Naturwissenschaftist für Marx die revolutionäre Wissenschaft, der Materialis-mus die revolutionäre Weltanschauung.
Dieser Grundbestand der Marxischen Erbschaft wirdheute von den Russen am treuesten verwaltet. Auspolitischem Grunde sind heute wieder zahlreiche RussenLobredner der Naturwissenschaft und Bekenner des Mate-rialismus, z. B. Plechanoff, während ein Darwin , wiebekannt, seiner Lehre Weltanschauungskonsequenzen ab-sprach. In der deutschen Sozialdemokratie hält aus gleichemGrunde die Linke am philosophischen Materialismus alseinem Hauptstück des Marxischen Katechismus fest — viel-fach Schriftsteller undeutschen Ursprungs, so Kautsky ,Rosa Luxemburg u. a. 25 . Dagegen rückt die offizielledeutsche Sozialdemokratie vom Materialismus als einemlendenlahmen Jugendgenossen ab und sucht sich über-haupt von der Umarmung durch ein bestimmtes philoso-phisches System zu lösen 26 . Noch weiter ging der „Vor-