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wärts“ bei der Kantfeier 1904, der in ausgezeichnetenArtikeln auf den Königsberger Altmeister zurückwies —nicht ohne dass seine Redakteure bald darauf in unsanfterWeise aus ihren Sesseln befördert wurden. In der Tat— trotz ihres Leugnens — sie waren Ketzer am Marxismus .
e) In der politischen Wendung des Naturalismusstimmt Marx mit Feuerbach überein 27 . Aber Marx ist,im Gegensatz zu Feuerbach, ein Geist von praktischerVeranlagung. So geht er denn in einem entscheidendenPunkte weit über Feuerbach hinaus: nicht der Gedanke,selbst nicht der Materialismus, noch weniger Feuerbachs „Liebessaibaderei“ 28 ist im Stande, die Welt aus denAngeln zu heben. Marx empfindet das Hemmnis wirt-schaftlicher Rückständigkeit besonders lebhaft beiseiner ersten politischen Tätigkeit an der RheinischenZeitung: Deutschland ist wirtschaftlich zur bürgerlichenRevolution noch nicht reif, obgleich seine Philosophieweit über dieselbe hinaus ist. Deutschland steht 1843noch nicht dort, wo Frankreich 1793 stand. „Es genügtnicht, dass der Gedanke sich zur Wirklichkeit drängt, dieWirklichkeit muss sich selbst zum Gedanken drängen.“Diese Wirklichkeit sieht Marx in Frankreich und England. Hier hat die Bourgeoisie den Staat nach ihren Bedürf-nissen gestaltet, und indem sie sich voll auswirkte, dieschlechthin revolutionäre Klasse geschaffen, jene „Klasse“,an der „kein besonderes Unrecht, sondern das Unrechtschlechthin verübt wird“: das Proletariat. Das Prole-tariat ist für Marx der geborene Feind Gottes und desStaates, das Werkzeug der Zerstörung von Grund aus.Die Revolution, der Marx seine unermüdliche Lebensarbeitgewidmet hat, ist keine bürgerlich-politische, sondern eineproletarisch-soziale. Das Herz des ergrauten Mannes er-glüht der Pariser Kommune , deren Märtyrer in seinerSeele „eingeschreint“ sind. Sein Standpunkt ist — imGegensatz zu Feuerbach — sozial-revolutionärer Nihi-lismus. Ihm entspringt Marxens Interesse am Proletariat,