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eigenen praktischen Zielsetzungen der streng kausalenSeinswissenschaft der Geschichte fernzuhalten, die geradebei Marx durch unausgesprochene Werturteile nicht seltenverfälscht wird.
b) Durchaus berechtigt ist ferner der Versuch, auchdie gesellschaftlichen Phänomene naturwissenschaftlicherBetrachtung zu unterwerfen. Was aber könnte eine solcheNaturwissenschaft leisten, was müsste sie erstreben? DieNaturwissenschaft isoliert den einzelnen Kausalzusammen-hang und fasst ihn mit seinesgleichen — auf Grund deraxiomatischen Gesetzmässigkeit der Natur ■— zu „Ge-setzen“ zusammen. Diese Gesetze gelten immer undüberall, aber nur im „luftleeren Raume“, d. h. soweitstörende Nebenursachen ausgeschaltet sind. So geltensogar die Gesetze der Planetenbewegungen nur unter derVoraussetzung, dass nicht vom Weltenraum her in dasSonnensystem eine Weltkatastrophe getragen wird, wiesolche am Fixsternhimmel beobachtet worden sind.
Es liegt auf der Hand, dass die „Isoliermethode“ dernationalökonomischen Klassiker, wie sie z. B. Dietzel wiedermeisterhaft handhabt, ebenso wie die Wertpsychologie derOesterreicher, durchaus in dieser Richtung geht. Wasdem Naturforscher das Experiment, das leistet dem National-ökonomen der „Idealtypus“ des zu analysierenden Vor-gangs; in beiden Fällen wird der ideale Vorgang, der imLeben nur selten, vielleicht nie in völliger Reinheit vor-liegt, „isoliert“ 67 .
Der Nationalökonom stellt den „einheitlichen“, „reinwirtschaftlichen“ Kausalzusammenhang fest, welcher zum„Gesetz“ verallgemeinert werden soll. Er sucht derartigeIsolierungen in der Geschichte und freut sich z. B. alsRententheoretiker der Kontinentalsperre Napoleons, dieals wissenschaftliches Experiment zu kostspielig wäre 68 . Erverfährt hierbei — induktives und deduktives Verfahrenhandhabend 69 — wie der Naturforscher, ob auch derIdealtypus selbst eine durchaus teleologische Begrififsbildung