32
Insbesondere ist der Kausalzusammenhang deseinzelnen konkreten Vorgangs schlechthin irrational. Nachallen Seiten hin verzweigen sich von jedem einzelnenGeschehnis aus die Kausalstränge in die Tiefe der Zeit,in die Breite des Raums — nirgends einen Halt erlaubend,der nicht rein willkürlich wäre. Auf Grund der Wechsel-wirkung, in welcher alle Substanzen stehen, die zugleichim Raume wahrgenommen werden, umfassen die Kausalienirgend eines Einzelvorganges in letzter Linie den ganzenvorhergegangenen Weltzustand 74 . Gerade darin bestehtder methodologische Vorzug der älteren französischenMaterialisten, dass sie an die gesellschaftlichen Erscheinungenden Maßstab der „Mechanik“ anlegten, den Engels ihnenvorwirft 75 . Nur so konnten sie von ihrem Standpunkt ausdie Irrationalität des Einzelnen überwinden. Das Einzelnewar ihnen den Gesetzen gegenüber gleichgültig; da dieGesetze des Naturgeschehens ewig die gleichen sind, sowar ihnen die Welt ein „ewiger Kreislauf“. In diesemGedankenkreise ist die Idee des „Fortschritts“ ein Fremd-gewächs. Sie verfälscht die Naturwissenschaft.
Insofern stehen Ricardo und K. Menger methodologischhöher als Marx, da sie niemals das historische Konkretumaus ihren Gesetzen abgeleitet, vor allem niemals Geschichteder Zukunft geweissagt haben.
c) Wie kommt man über diesen Standpunkt hinauszur Geschichtswissenschaft, die der historische Materialis-mus doch sein will? Nur dann, wenn es gelingt, aus derunendlichen Fülle der Erscheinungen gewisse Einzeltat-sachen als „wesentlich“ herauszuheben. So handelt zu-nächst der praktische Mensch, der diejenigen Dinge wertet,die den Bauch füllen. Aber diese praktischen Werte sindindividuell. Mein Bauch ist nicht der Bauch der Vielen,vielleicht Allzuvielen. Daher sind diese höchst subjektivenWerte ungeeignet, einer Wissenschaft als allgemeinverbind-liches Auswahlprinzip zu dienen. Ein solches Auswahl-prinzip besitzt nur derjenige, dem ein überindividueller,