35
sind, die dem ihnen dienenden Wirtschaftsleben ein ge-schichtliches Interesse verleihen.
Zur Feststellung des historischen Kausalzusammenhangspackt der echte Historiker die Kausalien, wo er sie findetund wie sie ihm wesentlich erscheinen. Er klebt nichtängstlich an einer „einheitlichen Kausalreihe“, indem derleitende Wertgesichtspunkt Ursachen disparatester Herkunftzur Einheit zusammenfasst. Gerade darin besteht dasVerdienst der deutschen Universitätsnationalökonomie seitRoscher und Knies, die politische Ursache für die Wirt-schaftsgeschichte erobert zu haben. Bei der Schilderungder preussischen Bauernbefreiung greift z. B. ein Knappunbekümmert auf politische Ursachenreihen zurück. Fürdie Frühgeschichte des angelsächsischen Kapitalismus be-tont M. Weber die sehr bestimmten Vorstellungen derPuritaner von dem, was ihrer nach dem Tode harrte —■Vorstellungen, die ihr diesseitiges Handeln weithin be-stimmt haben. Der geniale Geschichtsschreiber erfasst diespringenden Punkte des historischen Kausalzusammenhangsintuitiv — Ranke „erriet“ ihn — und bringt ihn mit künst-lerischem Pinsel dem Leser zum Nacherlebnis. Sombart klagt, dass die Wissenschaft das Einzelne, das ein ge-sondertes Leben habe, in „eine tötende Allgemeinheit“hineinreisse. In der Tat verfährt so der Mathematiker, derPhysiker, der Biologe — der die Geschichte zur Natur-wissenschaft verfälschende Scheinhistoriker. Ferne da-gegen lag einem lebensstarken Treitschke jenes Gefühlder „Resignation“, das die eigene Arbeit „als die arm-seligste Art bezeichnet, wie wir ein Verhältnis zur Weltgewinnen können“; ihm und seinem Hörer erstand dieVergangenheit lebensvoller als dem Zeitgenossen selbst,für den sich Wesentliches und Unwesentliches oft nochverwirrend vermengte.
Selbstverständlicherweise ist es dem Historiker un-benommen, Regelmässigkeiten festzustellen, welche beiverschiedenen geschichtlichen Entwicklungsreihen wieder-
3 *