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Marx oder Kant? : Rede, gehalten bei der öffentlichen Feier der Übergabe des Prorektorats / von Gerhart von Schulze-Gävernitz
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Demgegenüber ist dieeinheitliche Kausalität desHegelschen Panlogismus oder des Marxischen Materialismusunrealistische Geschichtsmetaphysik. Genau wie für Hegeldie Vernunft listigerweise sich des Menschen bedient, umihren Zweck, das Selbstbewusstsein der Freiheit, zu ver-wirklichen, ebenso sind für Marx die Schauspieler derGeschichte nur willenlose Puppen, die von inneren Ge-setzen, ohne es zu wissen, bewegt werden. Die eigent-lichen Triebkräfte der Geschichte bleiben ihnen verborgen;sieimaginieren sich daher falsche oder scheinbare Trieb-kräfte. Ja, für Marx wird das historische Erlebnis geradezuzumTraum 81 . Wer dächte hierbei nicht an dieGe-schäftsführer des Weltgeistes, die nach Hegel , ohne eszu wissen, Geschichte machen? Marx verlässt an diesemPunkte sogar zu Gunsten Hegels seine materialistischeGrundlage, indem der historische Kausalzusammenhangdurch ein logisches Begriffsverhältnis ersetzt wird. Wennder Kapitalismus seineNegation, das Proletariat, erzeugt,um sodann in den Sozialismus als dieNegation derNegationumzuschlagen, so geht augenscheinlich dasDenken dem Sein voran, statt das Sein dem Denken:Begriffsemanatismus.

Hier gilt es zuscheiden. Man scheide zwischenWert und Sein, zwischen der Logik, welche die aprio-rischen Normen des Denkens feststellt, und dem empi-rischen Realismus der Natur- und Geschichtswissenschaft.Man scheide zwischen Naturwissenschaft und Geschichte,zwischen Kausalität als allgemeingültiger Kategorie, demnaturwissenschaftlichen Kausalitätsgesetz und dem kon-kreten Kausalzusammenhang der Geschichte! Mit einemWort: mehrkritische Philosophie, mehr Kant!

III. Kein unentbehrlicher Bestandteil des Lehrge-bäudes ist die Mehrwertlehre, die man vom historischenMaterialismus wie der sozialistischen Politik loslösen, für