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Marx oder Kant? : Rede, gehalten bei der öffentlichen Feier der Übergabe des Prorektorats / von Gerhart von Schulze-Gävernitz
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sich annehmen oder bekämpfen kann, ohne den Kerndes Marxismus zu berühren. Zudem ist diese Mehrwert-lehre in sich widerspruchsvoll, indem bekanntlich die ge-schlossene Auffassung des I. Bandes im III. Bande desKapital durchbrochen worden ist.

Die berühmte Mehrwertlehre des ersten Bandes isteine Fortbildung der objektiven Wertlehre des BourgeoisRicardo, dessen Theorie für Marxdie wissenschaftlicheDarlegung des gegenwärtigen ökonomischen Lebensbedeutet 82 . Diese Wertlehre wurzelt bekanntlich in grauerVorzeit, in den Schriften der Kirchenväter und Schola-stiker und ist, wie Brentano ausführt, entstandennichtals Lehre vom Seienden, sondern Seinsollenden, als Pro-test gegen die Welt. Bei Marx wirkt das justum pretiumfort, der Wert, wie er sein sollte. Vermittelt wird dieseAuffassung durch die Lehre vomnatürlichen Wertin dernaturgemässen Volkswirtschaft, welche den Na-tionalökonomen des 17. und 18. Jahrhunderts als dienor-male im Sinne des Wertvollen vorschwebte. Schon dassMarx den Mehrwert immer wieder alsAusbeutungalso als Beute, Raub bezeichnet, deutet auf die Beein-flussung seinswissenschaftlich - psychologischer Problemedurch ethisch-politische Hintergedanken. So haben auchdie Marxisten trotz Marxens Einspruch die Mehr-wertlehre immer wieder als Argument für den politischenSozialismus benützt.

Im Gegensatz zur Lehre des I. Bandes lässt bekannt-lich der III. Band desKapital in der entwickelten kapita-listischen Gesellschaft die Waren nicht zu ihrem Arbeits-wert, sondern zu ihren Produktionspreisen veräussert werden,womit das Wertgesetz aus dem Bewusstsein der werten-den und preisbildenden Individuen verschwindet. Wie estrotzdemhinter ihrem Rücken wirksam wird, ist eineDoktorfrage, die Marx seinen Schülern aufgegeben unddie zuVereinigungsversuchen geführt hat, wo offen-kundiger Zwiespalt der Lehre zugegeben werden sollte.