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Marx oder Kant? : Rede, gehalten bei der öffentlichen Feier der Übergabe des Prorektorats / von Gerhart von Schulze-Gävernitz
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erklärt Engels in diesem Zusammenhang die Ethik alshistorische Wissenschaft. Ähnlich steht Kautsky , dereine historisch - psychologische Herleitung der Moral ausdem Herdeninstinkt der Tierwelt versucht 83 .

Aber nein, Marx will die Welt nicht nur interpretieren:es kommt darauf an, sie zu verändern. Marx wird zumleidenschaftlichen Ankläger des Kapitals, dasunter deninfamsten, schmutzigsten Leidenschaften, unter schonungs-losem Vandalismus die Produzenten enteignet habeaus allen Poren blut- und schmutztriefend, als Industrie-kapital in vielen Fällen nichts alskapitalisiertes Kinder-blut. Unter dem Kapitalismus habe Europa den letztenRest vonGewissen eingebüsst Gewissen? Sprichtso ein Naturforscher?

Marx ist Ethiker von Grund aus 84 ; aber seine Ethikist unausgesprochen, daher ungeklärt und widerspruchsvoll.Im Marxismus lebt zunächst die utilitarische Ethik West-europas, bei Marx in ausdrücklichem Anschluss an Hel-vetius 85 .Erhöhung des Lustquantums,grösstes Glückder grössten Menge, diese westeuropäisch-bourgeoise Ziel-setzung beherrscht weithin die sozialistische wie die liberaleWelt auch Deutschlands . Die gedrückten Massen er-träumen denHimmel auf Erden, den Heines stimmungs-verwandte Verse unvergleichlich verkünden:

Es wächst hienieden Brot genugFür alle Menschenkinder,

Auch Rosen und Myrten, Schönheit und LustUnd Zuckererbsen nicht minder;

Ja, Zuckererbsen für Jedermann,

Sobald die Schoten platzen!

Der Sozialist will, wie uns Sombart sagt,das Leben invollen Zügen auskosten.

Voran steht dieMesser- und Gabelfrage. Ist dieseerste Frage gelöst, so liegt der Wert des Lebens für denWissenden, demIdeologie in ihrer durchschauten Nichtig-