erklärt Engels in diesem Zusammenhang die Ethik als„historische Wissenschaft“. Ähnlich steht Kautsky , dereine historisch - psychologische Herleitung der Moral ausdem Herdeninstinkt der Tierwelt versucht 83 .
Aber nein, Marx will die Welt nicht nur interpretieren:„es kommt darauf an, sie zu verändern“. Marx wird zumleidenschaftlichen Ankläger des Kapitals, das „unter deninfamsten, schmutzigsten Leidenschaften, unter schonungs-losem Vandalismus“ die Produzenten enteignet habe —„aus allen Poren blut- und schmutztriefend“, als Industrie-kapital in vielen Fällen nichts als „kapitalisiertes Kinder-blut“. Unter dem Kapitalismus habe Europa den letztenRest von „Gewissen“ eingebüsst — Gewissen? Sprichtso ein Naturforscher?
Marx ist Ethiker von Grund aus 84 ; aber seine Ethikist unausgesprochen, daher ungeklärt und widerspruchsvoll.Im Marxismus lebt zunächst die utilitarische Ethik West-europas, bei Marx in ausdrücklichem Anschluss an Hel-vetius 85 . „Erhöhung des Lustquantums“, „grösstes Glückder grössten Menge“, diese westeuropäisch-bourgeoise Ziel-setzung beherrscht weithin die sozialistische wie die liberaleWelt auch Deutschlands . Die gedrückten Massen er-träumen den „Himmel auf Erden“, den Heine’s stimmungs-verwandte Verse unvergleichlich verkünden:
„Es wächst hienieden Brot genugFür alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und LustUnd Zuckererbsen nicht minder;
Ja, Zuckererbsen für Jedermann,
Sobald die Schoten platzen!“
„Der Sozialist will,“ wie uns Sombart sagt, „das Leben invollen Zügen auskosten“.
Voran steht die „Messer- und Gabelfrage“. Ist dieseerste Frage gelöst, so liegt der Wert des Lebens für denWissenden, dem „Ideologie“ in ihrer durchschauten Nichtig-