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Marx oder Kant? : Rede, gehalten bei der öffentlichen Feier der Übergabe des Prorektorats / von Gerhart von Schulze-Gävernitz
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keit keinen Spass macht, doch wohl in der Menge ein-geheimsten Geschlechtsgenusses. Dieses Interesse steht invielen Fällen hinter der Forderung derfreien Liebe,derenFolgen durch Präventivmittel abgewehrt oderdurch öffentliche Kinderaufzucht der Gesellschaft über-wälzt werden sollen. So rücken Engels und Bebel denGeschlechtstrieb in den Mittelpunkt des menschlichenLebens und verweilen bei seiner Unbezähmbarkeit 86 , wieschon die älteren Materialisten dasHohelied des Frauen-körpers angestimmt haben. In diesem Punkte berührtsich der marxistische Sozialismus mit dem Geschlechts-Titanismus moderner oft impotenter Dekadenz!Denn nicht allen bekommt das Studium diesesHohenLiedes, wie schon Heine geklagt hat:

Ja, Tag und Nacht studier ich dran,

Will keine Zeit verlieren;

Die Beine werden mir so dünn

Das kommt vom vielen Studieren.

Es ist nicht zufällig, wenn die eudämonistische Ethikim Bunde mit der materialistischen Weltanschauung auf-tritt. Denn für die gewöhnliche Anschauung erscheint,wie Simmel ausführt, das selbstische Interesse als daseinfache und natürliche; die Motive der Selbstlosigkeit er-scheinen als nachträgliche und gleichsam künstlich an-gepflanzte 87 . Im Anschluss an Hobbes , Mandeville, Hel-vetius betrachtet auch Marx den Menschen ausschliesslichals egoistisches Wesen.Wohltätigkeit Befriedigungder Selbstliebe. Marx teilt den Standpunkt der klassischenNationalökonomen Englands , welche aus dem Glückselig-keitstriebe, bei ihnenwirtschaftlichem Egoismus, die Zu-sammenhänge des Wirtschaftslebens zu verstehen glauben.Auch bei ihm werden diese vielleicht richtigen Seinssätzezu Sollsätzen gesteigert: Wie die englischen National-ökonomen in ethischer Hinsicht mit Bentham gehen, soverkünden die deutschen Materialisten ein Feuerbach,ein D. F. Strauss, ein Marx eine eudämonistisch ge-