keit keinen Spass macht, doch wohl in der Menge ein-geheimsten Geschlechtsgenusses. Dieses Interesse steht invielen Fällen hinter der Forderung der „freien Liebe“,deren „Folgen“ durch Präventivmittel abgewehrt oderdurch öffentliche Kinderaufzucht der Gesellschaft über-wälzt werden sollen. So rücken Engels und Bebel denGeschlechtstrieb in den Mittelpunkt des menschlichenLebens und verweilen bei seiner Unbezähmbarkeit 86 , wieschon die älteren Materialisten das „Hohelied des Frauen-körpers“ angestimmt haben. In diesem Punkte berührtsich der marxistische Sozialismus mit dem Geschlechts-„Titanismus“ moderner — oft impotenter — Dekadenz!Denn nicht allen bekommt das Studium dieses „HohenLiedes“, wie schon Heine geklagt hat:
„Ja, Tag und Nacht studier’ ich dran,
Will keine Zeit verlieren;
Die Beine werden mir so dünn —
Das kommt vom vielen Studieren.“
Es ist nicht zufällig, wenn die eudämonistische Ethikim Bunde mit der materialistischen Weltanschauung auf-tritt. Denn für die gewöhnliche Anschauung erscheint,wie Simmel ausführt, das selbstische Interesse als daseinfache und natürliche; die Motive der Selbstlosigkeit er-scheinen als nachträgliche und gleichsam künstlich an-gepflanzte 87 . Im Anschluss an Hobbes , Mandeville, Hel-vetius betrachtet auch Marx den Menschen ausschliesslichals egoistisches Wesen. „Wohltätigkeit — Befriedigungder Selbstliebe.“ Marx teilt den Standpunkt der klassischenNationalökonomen Englands , welche aus dem Glückselig-keitstriebe, bei ihnen „wirtschaftlichem Egoismus“, die Zu-sammenhänge des Wirtschaftslebens zu verstehen glauben.Auch bei ihm werden diese vielleicht richtigen Seinssätzezu Sollsätzen gesteigert: Wie die englischen National-ökonomen in ethischer Hinsicht mit Bentham gehen, soverkünden die deutschen Materialisten — ein Feuerbach,ein D. F. Strauss, ein Marx — eine eudämonistisch ge-