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Leben“ zu treten, „aber ohne die idealisierende Kraft dabeieinzubüssen“ l0 °. Zu diesem Zwecke erfasse er sein Endzielals „Idee“ im Sinne unserer klassischen Vorzeit — einewiges, stets anzunäherndes, nie voll erreichbares Ziel, alsallgemein verbindliche Aufgabe, wie es der „Vorwärts“schon einmal gelegentlich der Kantfeier 1904 getan hat:„Als ewiger Grundsatz aller Sittlichkeit gedacht, kann sichder Sozialismus logischerweise gar nicht in einer bestimmten,zeitlich bedingten Gesellschaftsordnung manifestieren underschöpfen. Diese Ethik steht über allen konkreten Ge-sellschaftsordnungen, und sie bedingt an sich keine be-stimmte Ordnung. Nur muss sich jedes Gemeinschafts-wesen, wenn anders es sein Kulturrecht erweisen will, anjenem sittlichen Ideal messen.“
Von diesem Standpunkt aus müssen die Zwischen-glieder, in denen die Idee schrittweise sich entfaltet —diese von Marx so jämmerlich vernachlässigten geschicht-lichen Gebilde — neues Leben gewinnen.
Unter ihnen voran steht die sich selbst gestaltende,auch wirtschaftlich selbstverantwortliche Persönlichkeit 101 ,dieses Erbstück unserer klassischen Vorzeit, dessen unend-lich reichen Inhalt Marx zu Gunsten blutleerer Gedanken-gebilde — des „Kapitalisten“, des „Proletariers“ — ver-schleudert. Durch die Persönlichkeitsidee übertrifft diedeutsche Kultur den westeuropäischen Liberalismus, demdie deutsche Sozialdemokratie vielfach nachgebetet hat.Auf die Persönlichkeitsidee gründet sich die kulturelle Be-deutung des Privateigentums. Seine Beschränkung oderteilweise Vergesellschaftung durch Staat und Kommunewird eine praktische Frage von Fall zu Fall, wobei fürVerstaatlichungs- und Kommunalisierungsbestrebungen dieQualität des zur Verfügung stehenden Beamtentums dieHauptrolle spielt. Gegenüber einer grundsätzlich bestech-lichen Beamtenschaft wäre laissez faire immer noch diesicherste Politik.