Die Persönlichkeit bewährt sich zunächst im engenKreise der Familie — nicht der Familie, wie sie im Durch-schnitt ist, welche Engels übertreibend des „üppigen He-tärismus“ und der „tödlichen Langeweile“ beschuldigt,sondern der Familie, wie sie sein soll und sein kann, undwie sie in wenigen Fällen als siegverheissende Tatsachefeststeht. Auf dem Boden dieser Familie ist „die auf So-lidarität gegründete Freiheit“ des Zukunftsstaates leichterund früher als auf dem Boden des Volksganzen vorzu-bilden, soweit die Annäherung an das Ideal uns armenSterblichen überhaupt erlaubt ist! In dieser Familie voll-zieht sich — wie beim Bauern die Jungviehpflege — auchdie Kinderaufzucht im Kleinbetrieb. Über der Familiewölbt sich die zu „bildende“ Nation, die nach innen ihreGeschicke in selbstbewusster Freiheit gestaltet, nach aussen— die Rechte anderer Nationen achtend — wo es nottut, ihre Lebensinteressen mit Blut und Eisen wahr-nimmt 102 . Sexuelle Disziplinierung in der Ehe, staatlicheDisziplinierung im Volksheer erzieht zu jener allgemeinensozialen Disziplinierung, ohne welche eine Annäherung anzukunftsstaatliche Ideale Utopie ist.
Auch die Wissenschaft steht im Dienste des Endziels —nicht als ein fertiges Lehrgebäude nach Marx, sondern alsdie unvollendete, unvollendbare, unendliche Reihen ver-folgende Arbeit an der Erkenntnis im Sinne Kants . „Wirhalten eine Frage niemals für erschöpft“ 103 . Aber Marxhat nicht nur die Tradition Kants, er hat auch die Goetheszerschnitten. Der Marxismus ist eine gelehrte Welt-anschauung, seinem Wesen nach durchaus unkünstlerisch.Ihm schlägt die Kunst keine sichtbare Brücke zwischendem armen Heute und dem Jenseits der Idee. Ein neuerSozialismus bilde Auge und Hand des Arbeiters zur An-schauung und Gestaltung, wie dies W. Morris gerade alsSozialist unternommen hat.
Der Sozialismus endlich gründe sich auf den „Glaubenan die Macht des Guten in der Welt“, die trotz gegen-