Druckschrift 
Marx oder Kant? : Rede, gehalten bei der öffentlichen Feier der Übergabe des Prorektorats / von Gerhart von Schulze-Gävernitz
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54

26 Kautsky. Ethik und materialistische Geschichtsauffassung, passimz. B. S. 42, 76: Materialismus, Philosophie des Kampfes proletarischeWeltanschauung. Plechanoff. Neue Zeit 1898/1899. Bd. I. S. 145. Poli-tischer Verteidiger des Materialismus gegen sozialistische Neukantianer. DieNaturwissenschaftler selbst wehren sich gegen die ihnen zugedachte Rolle,so Ziegler. Naturwissenschaft und die sozialdemokratische Theorie.Stuttgart 1893. Berechtigterweise lehnen sie praktischnihilistische Tendenzenaber nur insoweit ab, als sie selbst Weltanschauung zu geben ablehnen.

20 Vergl.hiefür u. a. Stampfer:Religion ist Privatsache.Buchhandlungdes Vorwärts 1906, S. 7/8.Indem der Materialismus sich auf seine Weise be-müht, die Welt mit Brettern zu vernageln, berührt er sich eng mit den geoffen-barten Religionen; dagegen:Alle Philosophie ist undogmatisch.

27 Vergl. Feuerbachs Aufsatz über Moleschott. Grün, LudwigFeuerbach II, pg. 73.So ist auch Moleschotts Schrift über Essen undTrinken revolutionär.Die Naturwissenschaft führt zum Demokratismus,Sozialismus und Kommunismus.

28 Marx 1846 im Westphäl. Dampfboot gegen Feuerbach für Klassen-kampf:Es ist bekannt, dass alle früheren und viele neuere soziale Be-strebungen einen christlichen, religiösen Anstrich hatten; man predigteeben der schlechten Wirklichkeit, dem Hasse gegenüber das Reich der Liebe.Für den Anfang lässt man sich das gefallen. Wenn aber die Erfahrung lehrt,dass diese Liebe in achtzehnhundert Jahren nicht werktätig geworden ist,dass sie die sozialen Verhältnisse nicht umzugestalten, ihr Reich nicht zugründen vermochte, so geht daraus doch deutlich hervor, dass diese Liebe,die den Hass nicht besiegen konnte, nicht die zu sozialen Reformen nötige,energische Tatkraft verleiht. Diese Liebe verliert sich in senti-mentalen Phrasen, durch welche keine wirklichen, faktischenZustände beseitigt werden; sie erschlafft den Menschen durch denwarmen Gefühlsbrei, mit dem sie ihn füttert. Aber die Not gibt demMenschen Kraft; wer sich selbst helfen muss, der hilft sich auch. Unddarum sind die wirklichen Zustände dieser Welt, der schroffe Gegensatzin der heutigen Gesellschaft von Kapital und Arbeit, vonBourgeoisie und Proletariat, wie sie in dem industriellen Verkehram entwickeltsten hervortreten, die andere, mächtiger sprudelnde Quelle dersozialistischen Weltanschauung, des Verlangens nach sozialen Reformen.Diese Zustände schreien uns zu : Das kann nicht so bleiben, das muss anderswerden, und wir selbst, wir Menschen, müssen es anders machen. Dieseeiserne Notwendigkeit schafft den sozialistischen Bestrebungen Verbreitungund tatkräftige Anhänger, und sie wird den sozialistischen Reformen durchUmgestaltung der gegenwärtigen Verkehrsverhältnisse eher Bahn brechenals alle Liebe, die in allen gefühlvollen Herzen der Welt glüht.

29 E. Bernstein. Die Voraussetzungen des Sozialismus. ZwölftesTausend. Stuttgart 1906. S. 27, 28, 35, 141.