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zu benutzen? Gar Nichts! Was da ist, war die Fruchtund das Werk des ersten Augenblicks. Die Schuld davonliegt einzig in dem Mangel an politischen Größen, die sichin den engen Verhältnissen eines Stäätleins nicht ent-wickeln können. Nicht blos die Naschheit des Blicks, welchedurch die Überschaunng umfassender Verhältnisse, nicht bloßdie Gewandtheit, welche durch die Mannigfaltigkeit der Er-fahrungen erlangt wird, mit Einem Wort, nicht bloß dieGeschicklichkeit fehlt unsern Staatsmännern, sondern viel-mehr noch der Mut, das Selbstvertrauen, welche aus derBekanntschaft mit einem großartigen Betriebe erwachsen.Wie auch hätten sich alle diese Fähigkeiten bilden könnendurch die Teilnahme an einem kleinlichen Staatshaushalte,zu dessen Leitung der beschränkte Blick eines staatsexami-nierten Schreibers ausreicht? — Größtenteils aus derselbenQuelle entspringen aber auch die demütigende!? Szenen,welche die errungenen Freiheitstriumphe entweihen. Diesektäglichen Vorstellungen von den eroberten politischen Gütern,welche das Volk zu vandalischen Thaten hinreißen, seineFreunde mit Trauer und seine Feinde mit Frohlocken er-füllen, diese blinde Wut gegen die unbedeutendsten Werk-zeuge der obersten Gewalten und gegen die (politisch un-schuldigen) häuslichen Frivolitäten der Fürsten , dieses ge-dankenfeindliche Ungestüm, welches nur zum Geschrei desUnwillens angeführt sein will, diese bornierten und bar-barischen Judenverfolgungen endlich sind die Ausbrücheeines Geistes, dem die politische Richtung beinahe gänzlichabgeht. Diese Richtung, der selbständige Lebensgenuß, wel-cher in dem Bewußtsein liegt, thätiges Mitglied eines Ver-bandes zu sein, der die Aufgabe hat, nach Innen undAußen die Geschicke des Menschengeschlechts zu entwickeln,kann in einem kleinen Staate bei dem Denker nnr als Wunsch,bei der Mehrzahl gar nicht aufkommen. Solche Vereini-gungen suhlen sich in der Begleichung zum großen Ganzen