Äm Tage vor Eröffnung des Vorparlaments.
Frankfurt , 30. März, 3 Uhr. Heiliger Himmel! —Geschrei! Gewehrfeuer! Frankfurt schwimmt in — Schwarz-Roth-Gold und hat einen provisorischen — Rausch! Sieüberladen sich so mit Hoffnung und Triumphgefühlen, daßder Sieg zu einer Nebensache werden könnte. Es sieht hieraus, wie bei einem unschuldigen Pfingstfeste. Die Hänserbedeckt mit Laub, Teppichen und Fahnen, die Straßen vollvon geputzten Leuten. Eleganz genug, aber entsetzlich wenigVolk. Deutsche aller Gegenden und Arten strömen zusammen,ehemals fortgejagte und künftig fortzujagende. Eines derersten Gesichter, das mir aufstieß, war Moras,*) der die be-kannte Schwimmprobe abgelegt hat und nun wieder auf demTrocknen ist, während die preußischen Spione als begosseneHunde herumlaufen. Neben Republikanern mit abwärtshängenden Bärten und nach hinten gestrichenen Haaren gehenKammerherrengesichter mit aufwärtsgedrehten Schnauzbärtenund von hinten nach vorn gequälten Frisuren. EhrsameBürger in Hauskäppchen, von ihren bewundernden Frauenund Kindern umgeben, stehen vor ihren Thüren und schießenmit wichtigen Gesichtern in die Luft. An den Läden stehendie Alten und die Jungen mit klugen Mienen, anf denengeschrieben steht: „Es ist doch eine merkwürdige Zeit; wasdie Leute für närrische Köpfe haben! gewissermaßen auchamüsant, wenn sie nur keine tollen Streiche machen!" Diebetagte schwarze Judengasse ist herausgeputzt wie eine Groß-
*) Moras war wegen politischer Umtriebe t>or Ausbruch der Be-wegung auf Verlangen einer preußischen Behörde in Mainz arretiertworden nnd sollte mit dem Dampfboot rheinabwärts ausgeliefertwerden; aber es gelang ihm, auf der Fahrt ins Wasser zu springenund mit Hülfe eines von Freunden bereit gehaltenen Kahnes zu ent-kommen. Er war ein junger Kaufmann, der später keine Rolle spielte.