— 48 —
gegangen. Hundert Andere würden sich darüber vielleichtdem Kitzel einer Selbsttäuschung hingeben und sich den leichtzu erringenden Glauben an ein rein objektives Streben er-werben. Ich gebe gern zu, daß teilweise ein Bedürfnismeines Naturells mich in meiner Handlungsweise treibt,ich weiß aber auch, daß die Begierde nach Erkenntnis dermenschlichen Dinge sowohl, als viel mehr noch die Lust, dasErkannte verwirklicht zu sehen, ein individueller Trieb ist,welcher nur in dem gänzlich untrennbaren Zusammenhangder einzelnen Persönlichkeit mit der Totalität alles Seien-den wurzeln kann. Die oft besprochene Frage über dieWirkung und den Wert des sogenannten Egoismus löstsich in die oft gegebene Entscheidung auf: daß in demganzen Bereich unserer Welt die Erreichung der einzelnenund der Gesamtzwecke durch die innerste gegenseitige Ver-webung gesichert, daß es ebenso thöricht ist, jenen Egois-mus der persönlichen Befriedigung bei einer Wirksamkeitfürs Allgemeine verleugnen zu wollen, als es Unrecht ist,bei einer solchen Wirksamkeit mit der Sonde nach subjek-tiven Bestimmungsgründen zu suchen. Das Wesen deswirklichen und darum human genannten Menschen ist eben,persönliche Befriedigung aus seiner thätigen Verbindungmit dem Allgemeinen zu schöpfen. — Ich habe vor zweiMonaten das lebhafte Bedürfnis gefühlt, an der politischenund sozialen Aktion Teil zu nehmen, weil die Natur desMenschen und die Entwicklung der menschlichen Gesellschaftder Gegenstand meines überwiegenden Interesses sind, uudich glaube, daß, indem ich dieses gestehe, ich mich nur durchdie Aufrichtigkeit von denen unterscheide, die angeblich mitgänzlicher Selbstverleugnung in die Öffentlichkeit treten.Dieses Bedürfnis war es, welches am Tage, wo die Preß-freiheit verkündet wurde, mich bestimmte, dem Verleger der„Mainzer Zeitung" meine Dienste anzubieten, die von ihmwie von dem damals einzigen Redakteur, meinem seitherigen