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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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Kollegen, mit Zuvorkommenheit angenommen wurden. Eswar damals gerade der erste Erfolg errungen worden, und Be-friedigung für den Augenblick, wie Hoffnung für die Zukunftbeherrschten die Stimmung der Herzen, namentlich auchgegen die Männer, deren Zeit mit jenem Augenblicke ge-kommen schien. Was dieRheinische Zeitung " heute als ihrZiel nennt, was aber in ihrem Munde, weil sie sich mitdem bisherigen Gang der Dinge einverstanden erklärt undmehr als gutmütiger Weise noch keine Reaktion sieht, einpurer Schall ist die Vereinigung Deutschlands war das,was ich als die Frucht jenes blütemeichen Augenblicks er-wartete und jenen Männern als aufrichtigen Vorsatz zu-traute. Ich erinnere an den ersten Artikel aus meinerFeder und fordere auf, darin etwas Anderes als jenes Ver-langen ausgesprochen zu finden. Möglich, daß eine republi-kanische Überzeugung darin zu finden gewesen, aber bis zudem Grade einer Forderung habe ich damals nie dieseÜberzeugung ausgedehnt. Ich war ebenso entschieden derAnftcht, daß der Herbeiführung der thatsächlichen, nicht blosdeklamirten Einheit, jede andere Begehrnis weichen müßte,als ich fest vertraute, daß die wirkliche Konstituirung derdeutschen Einheit die Konstituirung der Republik mit sichführen oder wenigstens gewaltig vorbereiten würde. DieSiebenzehner selbst haben im Vorworte zu ihrem Projektden ihnen gefährlich scheinenden Zusammenhangdieser beiden Eventualitäten eingestanden.

Von den ersten Tagen des März bis zu der Versamm-lung des Vorparlaments verliefen vier Wochen, währendderen man vergeblich nach einem deutlichen Hervortretenwahrhafter Einheits- und Freiheitsbestrebungen von jenenans Ruder gekommenen alten Liberalen spähen konnte; und,wie vieler Anderer, war auch mein Glauben an deren Ab-sichten schwankend geworden; ich habe dies deutlich in jenerZeit ausgesprochen und bin, ohne jedoch noch ein Wort von

Ludwig Bamberger's Ges. Schriften. III, 4