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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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aussetzen zu wollen, wo die Form so wesentlich ist. Wennwir beide Wein wollen, ist es denn gleichgiltig, ob wir ihnin einen Krug oder in ein Sieb fassen wollen? Wir glaubenauch, daß die Diktatur des Ehrgeizes lange nicht so schwerzu verhindern ist, als die Übergriffe einer Dynastie, und woes den Dynastieen an Stärke fehlt, da treibt der Ehrgeizbald diktatorische Minister ans Ruder.

Die Meinung, welcher die Rh. Ztg. ergeben ist, unter-scheidet sich, abgesehen von jener Prinzipienfrage, von derMeinung der Partei, welcher ich angehöre, namentlich da-durch, daß sie glaubt, es handle sich um einen kleinenSchritt vorwärts, an den sich im Laufe der Jahre andereSchritte anknüpfen ließe». Unsere Meinung ist, daß es sichum eiue Revolution handelt. Die Gegner leugnen die Not-wendigkeit der Revolutionen, wir sind durchdrungen davon.Wenn lange Perioden hindurch erkannte Mißbräuche ge-herrscht haben, wenn zwischen den bestehenden Zuständenund dem Bedürfnisse der Völker sowie den Resultaten der Er-kenntnis ein krasser Zwiespalt existiert, dann sind Revolutionenunvermeidlich. So war es am Ende des vorigen Jahrhunderts,so ist es jetzt, nachdem das gegenwärtige Jahrhundert hinterdie erste Revolution zurückgegangen ist. Wir sagen es offen,wir wollen einen Bruch mit der Vergangenheit, weil dasBedürfnis der jetzigen Weltlage und der denkende Geistebenfalls entichieden mit der Vergangenheit brechen müssen.Wenn ich sage, daß dieser Bruch, daß eine Revolution trotzallerEntwicklung von innen heraus" kommen wird, sostütze ich mich dabei nicht auf die hellsehende Kraft, welchein die Eingeweide des Weltgeistes hinein schaut, unddarinnen findet, daßdie konstitutionelle Monarchie die für dasneunzehnte Jahrundert zubereitete Staatsform" ist, sondernauf den praktischen Gang aller Entwicklung, welche sichvon der Erreichung eines wohldurchdachten Endzweckes durchnichls abhalten läßt. Ich bin nicht von denen, welche um