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dem lieben Herrgott durch ihr Zutrauen zu schmeicheln —ausrufen, daß das Gute in der Welt siegen müsse; die Weltwar nicht immer auf Rosen gebettet; aber meiner Ansichtnach wächst die Einsicht des Volkes in die gänzliche Un-branchbarkeit unserer Vergangenheit so sehr, daß die Revo-lution sicher kommt, heute -- morgen — übermorgen.Meine Ansicht greift man mit Gründen an; meine Methodeglaubt man der Verdammnis anheimzugeben dadurch allein,daß man sie charakterisiert. Leidenschaft! ruft man aus,Wühlerei! Richtig; ich gebe Beides zu. Revolution be-fördern, heißt in der Pharisäersprache „Wühlen", und mitBegeisterung streben: „Leidenschaft". Nie ist eine Revo-lution gemacht worden ohne heftigen Angriff auf das Be-stehende, nie ohne Leidenschaft. Die Lente, welche denken,wie die Redaktion der Rhein . Ztg., hätten keine der dreifranzösischen Revolutionen gemacht. Ich will damit nichtzu dem Witze Anlaß geben, als meinte ich, daß es Leuteuon meinem Schlage gewesen; sie waren nnr ebenfallsleidenschaftlich und ungeduldig, und in der Erstrebung dessen,was sie als Ziel erkannt hatten, durch keine Bedächtigkeitaufzuhalten. Die Redaktion der Rh. Ztg. meint abergewiß nicht, daß sie sich nicht den Dank des Menschen-geschlechts verdient hätten. Ja, wer Revolutionen will, derliebt die Freiheit brünstig, wie ein Jüngling, und nicht zu-frieden, wie ein Mann. Aber die Rh. Ztg. glaubt,wir kämen ohne Revolution durch, die Redaktion, welche,so gut wie ich, im Verstände mit der Vergangenheitgebrochen hat, will die Ruinen von Jahrhunderten inStaub zerfeilen. Es ist aber nicht blos zur Herbei-führung des Neuen, daß die ganze naturalistische Em-pörung der Menschheit nötig ist, sondern zur Einschüchte-rung des Alten. „Wehe dem, der wagt, unserer Freiheitzu uahen! Tod und Verderben!" ruft Ihr aus mit wüten-der Bärbeißigkeit. Gute Redaktion, sie sind schon genaht,