Druckschrift 
3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

55

und Ihr fresset ihnen noch aus der Hand; gute Redaktion!weder Du, noch viel weniger Deine Aktionäre werden denFreiheitsräubern Furcht einjagen, nicht einmal das kleinbischen Furcht, das sie unzweifelhaft vor uns Leidenschaft-lichen hatten, ehe sie ihrer Soldaten wieder sicher waren.Im Gegentheil. Ihr besonnenen, auf Eure UnnahbarkeittrauendenMänner" (par exesllönes) allein habt derReaktion das Heft in die Hände gegeben.

Man wird mir einwerfen, daß ja doch meine Methodezu keinem Ziele geführt. Für den Augenblick allerdingsnickt; aber das wußte ich gar deutlich voraus. Ich wußte,daß noch ein Rückschlag erfolgen würde, ich wollte nur denAugenblick für die Saat der Zukunft benützen. Ich er-innere an das erste Wort, mit dem ich mein Auftreten indiesem Blatte bezeichnet habe. Ich sagte damals, daß ichmich der Freiheit des Momentes nach Kräften bedienenwollte, der kurzen Epoche, wo, wenn nicht nach dem Buch-staben des Gesetzes, doch nach der Natur der Sache, Jedemdie Freiheit der Äußerung in Vorschlägen für Deutschlands Konsiituiruug vergönnt werden müßte, den Vertrauens-männern io gut wie den Republikanern. Dieser Momentgeht jetzt rasch zu Ende. In Baden wird er bereits rück-wärts verleugnet; wer weiß, was anderswo geschieht. Ichbin zufrieden, daß der Eigentümer derMainzer Zeitung"mir Zeit gelassen hat, ihn der Hauptsache nach zu benutzen.In diesen zwei Monaten, wo kein Wort zn kühn war, dasnicht in die Köpfe geschleudert wurde, ist Enormes ge-wonnen worden, hat die Vergangenheit mehr in der Massedes Volkes verloren, als ihr durch die Leichtgläubigkeit derVertrauenden gelassen wird. Nicht bloß hat das Volkdurch diese Bewegung bereits viel gelernt, sondern den An-stoß zu weiterem Lernen erhalten. Ein politisch nicht durch-gebildetes Volk wird nicht durch Ausbildung zur Begeiste-rung, sondern durch Begeisterung zur Ausbildung angetrieben.