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Die Leidenschaft, die aufgewirbelt worden, hat die Köpfemit der Lust entzündet, Einsicht in politische Dinge zu ge-winnen, und wird damit mehr fördern, als hundert be-sonnene Ermahnungen. Ob die Taktik der Nüchternen unszum Ziele führt, ob die Agitation der Heißen einen frucht-baren Keim gelegt, das wird die Zukunft ausweisen. Genug,daß ich zeigte, wie ich nicht planlos zu Werke gegangen,weil ich glühend bin. Die, welche seit zwei Monaten mitmir mündlich oder schriftlich in vertrauliche Berühruug ge-kommen sind, werden mir das Zeugnis geden, daß ich michüber die heute feststehende erste Entwicklung der Dingekeinen Augenblick täuschte, daß ich diese Niederlage derFreiheit mit der größten Sicherheit erwartete. Ich habetrotz all dem weiter gehandelt, weil ich nur wollte, was icheben aufzeigte. Ich bereue dies keinen Augenblick, undwerde, so wie ich immer kann, so weiter wirken, getriebendurch die Konsequenz der Logik und meinetwegen durch dieHitze der Leidenschaft. Was ich von mir abwälzen wollte,war vor allem der Vorwurf, daß iäi, bewußt oder un-bewußt, mit dem Werkzeuge der Öffentlichkeit gespielt habe,wie es die „Rheinische Zeitung " andeutet. Diese dünkelhafteAltklugheit, welche auf ihrer Seite uichts als „ernste männ-liche Fassung, Besänftigung, Selbstbeherrschung, Wärme,heiliges Feuer, Begeisterung. Kraft, Mut, Männlichkeit u.dgl. m." sieht, auf der anderen aber nur „Ueberflutung derLeidenschaft, Krankhaftigkeit, traurige Opfer, Sklaven, schmäh-liche Dupes, giftige Gereiztheit, u. s, w.," diese dünkelhafteAltklugheit, sage ich. überrascht mich nicht, ich weiß, daß siezeitweise die Redaktion, meine alte Freundin, befällt. Glaubesie mir nur, daß, wenn ich auf die Karrikatur, die sie vonmir entworfen hat, hätte antworten wollen, mir weder derStoff noch die Gabe gefehlt hätte, ein Bild nach der Naturzu zeichnen, das mich revanchieren sollte. Aber mir geht esnicht so, daß ich erst, nachdem ich mich weidlich der Lust der