it Mühe entsinne ich mich, wie die Sache bei unsanging. Nach zwei Monaten herber Erfahrungen und nachder gänzlichen Niederlage des Volkes wird es mir fast un-möglich, mich in die Stimmung der Tage zurückzuversetzen,wo wir — zwar durchschnittlich mit schwerem Herzen —doch immerhin mit einer Art von Schwung dem Ausbruchder Bewegung entgegengingen. Seitdem die Reichsverfassungden Anstoß zu einem endlichen offenen Kampf zwischen dendeutschen Großmächten und der Nationalversammlung her-beiführen zu wollen schien, dachte man in Deutschland wiederan eine handgreifliche Revolution. Es wurden auch bei uns,in Rheinhessen , im Stillen Vorbereitungen getroffen, undwie das geht, die Vorbereitungen steigerten die Lust nachder Ausführung. Es wurde Munition angekauft, nach Waffen-depots gekundschaftet und dergleichen Dinge mehr getrieben,welche die Gemüther in Spannung setzen und als ahnungs-grauendes Geheimniß die Reihen entlang von Einem demAndern in's Ohr geflüstert werden. Die ersten Demonstra-tionen in Württemberg , so miserabel sie nach herkömmlicherWeise verpfuscht wurden, fachten die Volksstimmung nochmehr an. Jedes Gesicht auf der Straße sah Einen, jenach der Gesinnung des Inhabers, argwöhnisch oder er-wartungsfreudig an, mit der stillen Frage: geht's los?
Ludwig Bamberger's Ges. Schriften. III. 5