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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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und mehr als einmal riefen mir Leute aus dem Volkedies auf offener Straße laut nach. In den öffentlichenZusammenkünften des demokratischen Vereins wurde esverübelt, wenn man von irgend etwas Anderem als vondem bevorstehenden Kampf sprach. Am buntesten gar ginges auf dem Redaktionsbüreau der Mainzer Zeitung zu.Dort summte von früh bis spät der ganze Schwärm derUngeduldigen, Neugierigen, Berichterstatter ab und zu; eswar nicht mehr möglich, drei Worte im Zusammenhang zuschreiben, und nachdem alles Einriegeln und Hinauswerfensich als unzureichende Maßregel erwiesen, mußte feierlichbeschlossen werden: in Anbetracht der stürm- und drang-vollen Zeiten keine leitenden Artikel mehr zu schreiben.

Und an dem Allen war merkwürdiger Weise die ehr-same deutsche Reichsverfassung schuld. Was hatte aus demzahmen Machwerk plötzlich einen Revolutionshebel gemacht?Es war nicht das Vertrauen auf die Bundesgenossenschaftmit dem Reichsphilisterium, welches die Demokratie in Be-wegung setzte. Wer wäre so dumm gewesen zu glauben,daß der Philister für sein lange besungenes einiges Deutsch-land in den Kampf gehen werde? Wenn eine Bevölkerungin Konstitutionelle und Republikaner zerfällt, so zerfällt siedeßhalb nicht auch in solche, welche sich für die Konstitutionund solche, welche sich für die Republik schlagen. Da giebtes nur zweierlei Rassen, solche, die sich überhaupt und solche,die sich gar nicht schlagen. Zu der letztgenannten Sortegehörte eben die deutsche Reichspartei. Denn es war Kei-nem ein Geheimniß, daß der ganze Troß der National-versammlung, der Einheit, kurz der ganzen hochtönendenReichsposaune eigentlich nichts wollte, als Nichts, wo-für er sich, so lange es anging, wohlklingender Phrasenbediente. Trotzdem der Philister in den ersten Wochen desVerfassungskonfliktes eine wüthige Miene annahm und