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3 (1895) Politische Schriften von 1848 bis 1868
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thun war, ein Resultat, welches aufzuhalten in der Handeben der deutschen Fürsten jeden Augenblick lag. Wenndie demokratische Partei aus einem Siege der Verfassungs-kämpfer auf den Sturz der Dynastieen rechnete, so geschahes, weil sie erwartete, daß diese sich selber stürzenwürden. Ich sage das nicht, um die Demokratie von Hoch-verrätherischen Gedanken gegen die Monarchen rein zuwaschen, was eiue Lächerlichkeit wäre, sondern um zuzeigen, wie sie in dem der Bourgeoisie angebotenenBündniß nicht an eine unredliche Uebervortheilung dachte. So viel ist gewiß: ein großer Theil der demokratischenPartei hielt, abgesehen von allen weiteren möglichen Ent-wickelungen, den in der Reichsverfassung gesicherten Zu-stand werth, daß er dem herandrohenden schrankenlosenAbsolutismus gegenüber mit allen Opfern eines offenenKampfes vertheidigt werde. Die Demokratie mochte mehrerstreben als die Verfassung, allein sie wurde bestimmt los-zuschlagen, weil selbst dieser äußerst nothdürftige Halt einerkünftigen Existenz angegriffen wurde, und sie wäre zuselbiger Zeit nicht auf den Gedanken einer Erhebung ge-kommen, wenn nicht eben in der Verfassung der letzte Restder deutschen Freiheit gefährdet gewesen wäre. Selbst einpreußisches Kaiserthum, nach den Beschlüssen der National-versammlung eingesetzt, hätte nicht den geringsten Empörungs-versuch erfahren.

Mit der Verfassungsfrage schien endlich derjenigeglückliche Umstand eingetreten, dessen Abwesenheit seitdreißig Jahren alle deutschen Volksbewegungen zumScheitern gebracht hatte. Die Ausbrüche in einzelnenStaaten waren bisher stets an ihrer Vereinzelung zuGrunde gegangen, und solche, die für alle Theile Deutsch-lands zugleich vorbereitet wurden, gingen eben daran zuGrunde, daß sie als Komplotte lebensunfähig waren.