— 69 —
Eine Volkserhebung konnte in Deutschland nur gelingen,wenn am politischen Himmel ein Zeichen erschien, das vonselbst, durch seine bloße Erscheinung, allen Stämmen mitgleichem Erfolg zurief: „Jetzt ist es Zeit!" — Ein solchesZeichen mußte, wenn je Etwas, das offene Fehdewort derFürsten gegen die Nationalversammlung und die Auf-forderung der letzteren an das Volk sein. Das war diegroße Frage: Wird ganz Deutschland sich erheben? Daswar es, was den Bedenklichsten, den zähesten Zweiflervoranschieben mußte. Ich erinnere mich von allen Seelen-zuständen jener verhängnißvollen Tage noch am deutlichstender peinlichen Verlegenheit, welche jene Frage, von derenBeantwortung Alles abhing, in uns erzengte. Ich warstets der Meinung und habe bei vielen Gelegenheiten da-nach gehandelt, daß nichts bedächtiger erwogen sein wolle,als der Entschluß, das Signal zu einer Erhebung zugeben. Das Volk ist gleich bereit, seine Haut zu Marktzu tragen, und im Nu sind Tausende dem Elende, derVerfolgung oder dem Exil verfallen. Außerdem bringtnatürlich jede Niederlage noch hinter den Zustand zurück,der selber schon als unerträglich zur Erhebung aufgeforderthatte. — Ich habe mir viele, viele Male seit dem trost-losen Ausgang dieser letzten Bewegung die Frage vor-gelegt: War es vor der Lage der Dinge gerechtfertigt, daßdamals das Zeichen zur Betheiligung an der Erhebung inNheinhesseu gegeben wurde? Und dann suchte ich mir,so gut es heut noch geht, die Stimmung jener Tage zuvergegenwärtigen. Es war nicht Hoffnung, es war nichtEkstase, überhaupt kein leidenschaftlicher Zustand, in demwir uus befanden. Mit einem Herzen voll Unruhe, abermit dem klaren Bewußtsein eines unvermeidlichen „Muß"entschlossen wir uns zum äußersten Schritt. Dem letztenspärlichen Rest der sogenannten Revolutionserrungenschaften