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war der offne Krieg angekündigt, die höchste Gefahr warleibhaftig da. Es fragte sich: hat das Wagniß einesKampfes Aussicht auf Gelingen? und die Antwort lautete:Ja, wenn ganz Deutschland sich betheiligt. — Und wirdes sich betheiligen? das war die inhaltschwere Frage.Wir hatten unsere großen Zweifel. Allein die Antwortauf alle Bedenklichkeiten lag so nahe, war so unabweisbarkategorisch, daß man nicht anders konnte, als sich zufügen. Diese Autwort lautete: Wenn Jeder so fragen undzweifeln will, dann ist nie eine deutsche Revolution mög-lich. In Sachsen schwankte damals der Kampf noch un-entschieden; es war ungewiß, ob Berlin sich zu derpreußischen Intervention abermals passiv verhalten werde.Am Niederrhein war Alles in Gährung, Düsseldorf , Elber-feld, Jserlohn in offener Erhebung; da kam die Bewegungin Rheinbaiern, die Aufforderung zur Hülfe von dort,das Volk war Feuer und Flamme, und — es war nichtlänger zu zaudern — im Vertrauen, daß man überall inDeutschland im selben Moment denselben tausendfach ge-botenen Entschluß fassen werde, mußte das verhängniß-volle Wort über die Lippen.
Es war am 9. Mai, einem Mittwoch, als Einer derUnscrigen aus Rheinbaiern mit der Botschaft zurückkehrte,daß dort dreißigtausend Männer schlagfertig und entschlossenbereit stünden; daß ein preußisches Detachement auf demWege nach Landau anfgehalten und zur Umkehr ge-zwungen worden sei; und endlich daß man dort fest aufUnterstützung von Rheinhessen aus rechne. Zur selbenStunde brachten die Zeitungen die offizielle, vom Landes-vertheidigungsausschuß in Kaiserslautern ergangene Bitteum Zuzug aus Hessen und Baden. Schnell wurde be-