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Bekannte auf die Redaktion. Er theilte mir mit, daß erim Begriff sei, nach der Pfalz zu gehen. Eine kurze,überaus kräftige Gestalt, ein offenes Gesicht, einfachesWesen und mehrere praktische Bemerkungen über den Volks-krieg flößten mir Vertrauen ein, und als es sich gleichhernach um Auffindung eines provisorischen Anführershandelte, bot ich ihm in Ermangelung jeder Auswahl dieseStelle an. Er erklärte sich mit einigen ungezwungenenbescheidenen Verwahrungen bereit. — Von Mittags 1 bis4 Uhr wurden Marschordres geschrieben, Boten expedirt,Maßregeln berathen. Wir betrieben die ganze Unter-nehmung mit ungeheurer Hast, denn wir glaubten, dieEntscheidung sei nur um einige Tage von uns entfernt.Als endlich im buntesten Wirrwarr, in athemlosen Hin-und Herlaufen das Nöthigste geordnet war, ging ich nachHanse und packte mir in eine Serviette ein ganz kleinesBündel mit dem Allernöthigsten auf wenige Tage. WenigeWochen vorher hatte ich mich in einem Garten vor derStadt eingerichtet, um allda einen idyllischen Sommer zuverbringen. Ich sah den heiteren Rhein , die blauenBerge, die grüne Umgebung noch einmal lange an. Eswar mir, ganz im Innersten meiner zweiflerischen Brust,vollständig klar, daß ich auf lange oder gar auf immerAbschied nahm. — Jeder Fleck, auf welchen damals meinAuge fiel, jedes Wort, das gesprochen wurde, hat sich mirin der Schärfe eingeprägt, mit welcher wir in Momentender höchsten Spannung aus Rathlosigkeit die unbedeutendstenEinzelheiten der Umgebung, eine Blume in der Tapete odereine Spalte im Fußboden, zu beobachten pflegen. DiePflicht gebot, zu einem glücklichen Zusammentreffen dasSeinige beizutragen, der Verstand sagte mir, daß es einverlorenes Spiel sei. Zitz, Häusner und ich fuhren nach Wörr-stadt, kamen spät dort an, trommelten noch die Wirths-