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leute aus ven Betten, ließen uns mit dem Bedeuten, daßes jetzt los gehe, Schreibzeug geben und fertigten aber-mals bis tief in die Nacht Marschordres für die um-liegenden Kantone aus. Des andern Morgens um 4 Uhrwurden wir schon durch die Schritte einer unter unserenFenstern aufmarschirenden Kolonne geweckt. Es war eineAbtheilung Feuerarbeiter von Mainz , die den Tag überSensen schmieden sollten. Alsbald erdröhnten alle Schmiede-und Schlosserwerkstätten von Wörrstadt von den Hämmernunserer braven Sensenmacher; was an gedienten Soldatenim Orte war, wnrde zusammengesucht, um Patronen zufabriziren. Alles war voll Eifer, die ganze Einwohner-schaft natürlich auf der Straße und in der größten Auf-regung. So weit ging Alles lustig und ohne Anstoß vonStatten, und als ich die geschäftige Bewegung, den gutenWillen um mich her so rasch entwickelt sah, hob sich meinMuth. Doch die Freude war kurz. Nach wenigenStunden sollten wir einen Vorgeschmack dessen bekommen,was es heißen wolle, eine Freischaar leiten, ein Geschäft,von dessen Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten — wieich offen gestehen muß — weder Zitz noch ich eine Ahnunggehabt hatten. Gegen drei Uhr zeigte man an, daß dieMainzer einrückten. Wir gingen hinaus ihnen entgegen.Es waren die Turner, wohl bewaffnete und equipirtcLeute, ein Theil des Arbeitervereins, zwar ohne Waffen,aber aus entschlossenen und intelligenten Menschen bestehend,denen wir die ersten anzuschaffenden Gewehre bestimmthatten, und endlich ein Anhang von etwa hundert Basser-mannischen Gestalten"), wie sie der ehrenwerthe Reichs-
*) Bassermann'sche Gestalten. So nannte man mit einem damalsgeläufigen Ausdruck wild und verwildert aussehende Leute, wie siebei entfesselten Volksbewegungen, namentlich in großen Städten ausdem Boden aufzuschießen scheinen. Der badische Abgeordnete Basser-